Nach Ansicht der Münchner Tanztherapeutin und Leiterin des Europäischen Zentrums für Tanztherapie, Susanne Bender, ist es wichtig, wieder mehr zu tanzen. Tanz verbinde Menschen aus allen Generationen und sei ein wichtiges Element für das Gemeinschaftsgefühl, sagte Bender im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Es gibt eine große Sehnsucht, nicht einsam zu sein, sondern sich eingebunden zu fühlen. Und das geht über einen gemeinsamen Rhythmus.“ Ursprünglich seien Tänze ein fester Bestandteil im Jahresrhythmus einer Gesellschaft gewesen. Heute teile man die Menschen auf, in diejenigen, die „tanzen können“ und diejenigen, die zuschauten. Diese Entwicklung sei ein Verlust für die Gesellschaft.
Wenn man kleinen Kindern Musik vorspiele, fingen sie automatisch an, sich im Rhythmus dazu zu bewegen, sagte Bender. Später verlernten die Menschen dies jedoch oft, da sie der Meinung seien, Tanzen müsse bestimmten Normen entsprechen. „Tanzen ist also nichts, was wir erlernen müssen, sondern wir müssen es sozusagen wieder ausgraben.“
Ziel einer Tanztherapie - einer Psychotherapie mit Bewegung - sei es, Menschen Mut zu machen, zu ihrer eigenen Persönlichkeit zu stehen. Hinter vielen Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen stehe der Gedanke: „Ich bin falsch und versuche, jemand anderes zu sein“, so die Therapeutin. Diese permanente Anstrengung, sich zu verbiegen, mache sich irgendwann im Körper bemerkbar, etwa in Form von Muskelanspannungen und Erschöpfung.
In der Tanztherapie versuche man, über den Körper und Bewegungen „das Grundtemperament wieder auszugraben, um entsprechend der eigenen Persönlichkeit zu leben“, erklärte Bender. Es gehe darum, sich wahrhaftig zu zeigen. „Die Frage ist: Tanze ich meinen Lebenstanz?“ Die Tanztherapie könne Menschen helfen, „das zu erleben und zu spüren, was in ihnen drin ist und dem einen Ausdruck zu geben, damit es sichtbar werden kann“. (1398/25.04.2025)