In Afghanistan haben unter der Taliban-Justiz körperliche Züchtigungen als Strafe unter anderem für sogenannte Sittenverbrechen stark zugenommen. 2025 seien mindestens 1.110 Personen öffentlich ausgepeitscht worden, mehr als in den dreieinhalb Jahren zuvor seit der Machtübernahme der Islamisten, heißt es in einer Stellungnahme mehrerer UN-Sachverständiger, die in Genf veröffentlicht wurde. Die Experten verlangten ein sofortiges Ende dieser Praxis. Es handele sich um eine unmenschliche und entwürdigende Form der Bestrafung.
Laut den Sonderberichterstattern und Fachleuten wurden 2024 noch 567 Personen körperlich gezüchtigt. Allein im Januar waren es nun 147 Männer und 15 Frauen; die höchste Zahl in einem einzelnen Monat seit offizieller Wiedereinführung der Strafe Ende 2022. Amtliche Informationen enthielten keine Angaben zu Alter oder einer möglicherweise verminderten Strafmündigkeit durch geistige Beeinträchtigungen, hieß es. Auch Kinder seien ausgepeitscht worden.
Taliban haben Frauen besonders im Visier
Verhängt wurden die Züchtigungen bei Männern in den meisten Fällen für Diebstahl, Verstöße gegen das strikte Drogen- und Alkoholverbot und Glücksspiel. Bei Frauen, Mädchen und nicht-heterosexuellen Personen gehe es hingegen oft um außereheliche Beziehungen und sogenannte Sodomie, also Homosexualität. Dies mache die Bestrafung zum Ausdruck eines allgemeinen Systems geschlechtsspezifischer Diskriminierung, so die Experten.

