Synagogen-Gedenkbuch Hessen wird vorgestellt

Der erste Band des Synagogen-Gedenkbuchs Hessen unter dem Titel „Zerbrechliche Nachbarschaft“ wird am Sonntag zum Auftakt einer Konferenz über das Landjudentum an der Universität Frankfurt am Main durch den hessischen Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) vorgestellt. Das auf neun Bände angelegte Werk dokumentiere erstmals umfassend die Geschichte der jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Hessens, sagte der Frankfurter Professor für Jüdische Religionsphilosophie, Christian Wiese, als Herausgeber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Werk zeige die große Vielfalt unterschiedlicher jüdischer Gemeindestrukturen und Architekturen in Dörfern, kleinen und großen Städten.

Das Gedenkbuch versuche, alle rund 450 ehemalige Synagogen in Hessen mit ihren jüdischen Gemeinden in die Geschichte vom Mittelalter bis zur NS-Diktatur und zu den Anfängen nach 1945 einzubetten, sagte Wiese. Dabei würden die wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Beziehungen zwischen dem Judentum und der nichtjüdischen Umwelt beleuchtet. Diese Beziehungen seien trotz einer engen wirtschaftlichen Verflechtung wechselhaft gewesen. Das Leben jüdischer Gemeinden sei immer wieder von Verfolgungen überschattet gewesen.

Die Forscher haben sich nach den Worten von Wiese insbesondere um die Einbeziehung jüdischer Quellen bemüht. Das Gebiet Hessens habe sich in der Geschichte durch eine Dichte an jüdischen Gemeinden, auch auf dem Land, ausgezeichnet. Der erste Band führt die früheren Synagogengemeinden in den Städten Darmstadt und Offenbach und in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Offenbach auf. Geplant sei, jedes Jahr einen Folgeband zu veröffentlichen. Das Werk verbindet die historischen Artikel mit Verweisen auf digitale Rekonstruktionen von Synagogen durch die Technische Universität Darmstadt.

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