Nur ein Piks in den Finger: Die gefährliche Lungenkrankheit Tuberkulose könnte dank Münchner Forschern bei Kindern künftig schneller und einfacher diagnostiziert werden. Unter der Führung von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) habe man mit internationalen Partnern ein neues Analyse-Tool getestet, teilte die LMU am Dienstag mit. Mithilfe einer kleinen Blutprobe aus der Fingerkuppe könne die Krankheit besser diagnostiziert werden.
Bisher werde für eine Diagnose vor allem das Sekret der tiefen Atemwege untersucht. Diese Proben seien bei Kindern aber schwierig zu gewinnen, außerdem zeichne sich die Kindertuberkulose oft durch eine niedrige Bakterienlast und unspezifische Symptome aus. „Deswegen brauchen wir unbedingt neue Tests“, sagte die LMU-Medizinerin Laura Olbrich. Das neue Diagnose-Tool liefere in rund einer Stunde ein Ergebnis, bei den meisten anderen Tests müssten die Proben erst in andere Labors geschickt werden.
Die Ergebnisse seien ermutigend, sagte Olbrich. „Der Test hat im Vergleich zum kulturellen Nachweis knapp 60 Prozent der Kinder mit Tuberkulose identifiziert, mit einer 90-prozentigen Spezifität.“ Im Vergleich zu den herkömmlichen Tests sei das neue Analyse-Tool damit vergleichbar oder sogar besser.
Getestet wurde das neue Tool in einer großangelegten Studie mit Partnern in Südafrika, Malawi, Tansania, Mosambik und Indien. Über ihre Ergebnisse berichten die Autoren im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases.
Jährlich sterben weltweit rund 240.000 Kinder an der Krankheit, weil sie vor allem in ärmeren Ländern oft nicht richtig oder nicht rechtzeitig erkannt werde, heißt es weiter. Damit gehört die Erkrankung zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. (00/3568/31.10.2023)