Studie: Rassismus steckt in Routinen deutscher Behörden

Eine Leipziger Studie kommt zu dem Schluss, dass Diskriminierung in Behörden oft in Abläufen steckt. Welche Rolle Sprachbarrieren spielen und was die Studie empfiehlt.
Studie: Rassismus steckt in Routinen deutscher Behörden
Rassismus in Deutschland ist lange ignoriert worden (Symbolbild)
Imago / Eckhard Stengel


Rassismus in deutschen Behörden zeigt sich laut einer Studie selten in offenen Anfeindungen – er stecke in Routinen, Entscheidungsspielräumen und in der Organisationskultur. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Leipziger Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Über drei Jahre untersuchten die Forscher Rassismus in Jobcentern, Ausländerbehörden, bei Polizei und Zoll, in Justiz, Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsämtern sowie in der sozialen Arbeit.

Das Ergebnis: Rassistische Diskriminierung sei in allen Institutionen nachweisbar, allerdings in unterschiedlicher Form und Intensität. Eine Befragung von 13.000 Beschäftigten ergab demnach, dass es in den Behörden im Vergleich mit der Bevölkerung kein einheitlich erhöhtes Ausmaß ethnisch diskriminierender Einstellungen gibt.

Rassismus: Sprachbarrieren als strukturelles Risiko

Als strukturelles Diskriminierungsrisiko erwiesen sich der Studie zufolge Sprachbarrieren: Der Grad an Hilfestellung bei Antragsverfahren variiert demnach stark. Während einigen Antragstellenden proaktiv geholfen werde, würden Personen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen teils ab- oder auf fehlende Sprachkenntnisse verwiesen. Auch regionale Unterschiede in gesellschaftlichen Einstellungen und das allgemeine Meinungsklima spiegeln sich den Forschern zufolge in der Verwaltungspraxis wider.

Die Wissenschaftler empfehlen unter anderem den Aufbau unabhängiger Beschwerdestellen, eine Verankerung rassismuskritischer Fortbildungs- und Reflexionsangebote und eine aktive Anwerbung potenziell rassistisch diskriminierter Menschen auf allen Hierarchieebenen des öffentlichen Dienstes.

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