Durch die Abwanderung von Pflegekräften ist die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern an der Grenze zur Schweiz um knapp fünf Prozent gestiegen. Der Pflegekräftemangel wirke sich vor allem auf ältere Patienten sowie Notfälle aus, wie eine gemeinsame Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und des ifo Instituts in München zeigt. Bei ihnen erhöhte sich die Sterberate, teilte das ifo Institut mit. Damit verbunden sei eine stagnierende Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen zur Schweiz, während diese im Rest Deutschlands stieg. Die Studie nutzt Daten aus dem Zeitraum 2006 bis 2017.
Sinkende Lebenserwartung durch Personallücken
Im Jahr 2011 begannen viele in Grenznähe lebende deutsche Pflegekräfte, in der Schweiz zu arbeiten. Der starke Schweizer Franken, eine hohe Personalnachfrage in der Schweiz und stagnierende Tariflöhne in Deutschland machten einen Stellenwechsel, insbesondere für examinierte Pflegefachkräfte, attraktiv. Im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren verloren deutsche Krankenhäuser in der Grenzregion zur Schweiz innerhalb kurzer Zeit im Durchschnitt rund 12 Prozent ihres Pflegepersonals. Jeder Prozentpunkt dieses Rückgangs erhöhte die Sterbewahrscheinlichkeit um 0,4 Prozent. Die Lebenserwartung in der Grenzregion sank um etwa 0,3 statistische Lebensjahre.
Die Studie basiert auf Datensätzen der Statistischen Bundesämter Deutschlands und der Schweiz, darunter die Schweizer Grenzgänger-Statistik und die deutsche Krankenhausstatistik, sowie regionale Daten. Sie untersuchte alle stationären Krankenhausfälle von 2006 bis 2017.
