"Vom Kinderzimmer zum Terroranschlag" - so beschreibt Baden-Württembergs Innenminister ein neues "Netzwerk meist sehr junger, äußerst gewaltbereiter Täter", die sich über den Messenger-Dienst Telegram radikalisieren.
Im Internet formiert sich eine neue rechtsextremistische Szene von gewaltbereiten Jugendlichen in Deutschland, die terroristische Anschläge verherrlichen oder zur Nachahmung aufrufen. "Dieses dezentrale Netzwerk meist sehr junger, äußerst gewaltbereiter Täter, die sich in kürzester Zeit radikalisieren, ist eine sicherheitspolitische Herausforderung", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Dienstag vor Journalisten in Stuttgart.
Gefeiert werde dort etwa der antisemitische Terroranschlag auf ein jüdisches Fest am Bondi Beach in Australien, so der Präsident des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg, Andreas Stenger.
Das Netzwerk formiere sich über den Messenger-Dienst Telegram. Es gebe eine "Terrorgramszene", sagte Strobl. "Mit einer weltweit ersten kriminologischen Auswertung haben wir die 'Terrorgramszene' aufgehellt", erläuterte der Minister. Es handele sich um eine "jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene".
Durch die enge Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und Polizei hätten bislang radikalisierte Personen frühzeitig erkannt und Terrorpläne verhindert werden können. Die 37 bislang überprüften Personen - alle männlich - hätten ein Durchschnittsalter von unter 16 Jahren. Gleichzeitig gelte: "Fast alle hatten diagnostizierte psychische Erkrankungen oder psychische Auffälligkeiten", so Strobl.
Die Radikalisierung vollziehe sich oft unbemerkt und binnen Monaten "blitzartig"; es handele sich teils um 12- oder 13-Jährige. "Vom Kinderzimmer zum Terroranschlag", das sei die harte Wahrheit, sagte der Innenminister. Er forderte, der digitale Raum dürfe "keine Brutstätte für extremistische Propaganda und Rekrutierung sein". Der Titel der bundesweiten Hellfeldstudie lautet "Teenage Terrorists in Deutschland?". Erstellt wurde sie vom LKA Baden-Württemberg in Kooperation mit den Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München.