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Studie: HPV-Impfung wirksam gegen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs

Die HPV-Impfung kann Krebsvorstufen vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Auswertung. Weiterhin sind aber die Impfraten bei Mädchen und Jungen zu gering.

Die HPV-Impfung hat einer Studie zufolge eindeutig positive Effekte bei der Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs. Bei Frauen, die in ihrer Jugend und Kindheit geimpft wurden, musste nur etwa halb so oft auffälliges Gewebe, vorrangig Krebsvorstufen infolge anhaltender HPV-Infektionen, chirurgisch entfernt werden, wie am Mittwoch aus einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) hervorgeht.

Grundlage für die Analyse bilden die Daten von AOK-Versicherten der ersten drei Jahrgänge, die bei Einführung der Impfung 2007 zwischen 13 und 15 Jahre alt waren und zum Ende des Auswertungszeitraumes 2024 ein Lebensalter von mindestens 30 Jahren erreicht hatten.

“Die Wido-Auswertung gibt eindrucksvolle Hinweise darauf, wie effektiv die HPV-Impfung im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs ist”, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. Doch bei der Impfrate gebe es noch viel Luft nach oben. Anlass für die Auswertung ist der Tag der Krebsvorsorge am 28. November.

Laut Robert-Koch-Institut sind nur rund 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen vollständig geimpft, bei Jungen nur rund ein Drittel. Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, bis 2030 eine Impfquote von 90 Prozent zu erreichen. Vom 9. bis zum 15. Geburtstag wird die Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Aus Sicht der AOK braucht es eine flächendeckende Finanzierung und höhere Verbindlichkeit für die Impfung bei den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche. Auch Schulimpfungen, digitale Erinnerungssysteme und mehr ärztliche Aufklärung könnten die Impfquote steigern. Jungen könnten sich ebenfalls mit HPV infizieren, dadurch etwa an Peniskrebs erkranken, und das Virus übertragen.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Schutzimpfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren, spätestens bis 17 Jahre. Die Impfung wird als sehr sicher und effektiv eingestuft. Sie senkt das Erkrankungsrisiko erheblich. Besonders gut ist der Schutz bei einer Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr.

Das flächendeckende Screening zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ist laut Studie zusätzlich gut wirksam. “Wir haben bei nur wenigen Krebsarten bisher die Chance, die Krankheitslast gegen Null zu senken. Beim Zervixkarzinom gibt es sie, und wir sollten sie durch die Kombination aus Früherkennung und HPV-Impfung unbedingt nutzen”, bekräftigte Reimann.

Laut Früherkennungsmonitor des Wido hat das Gebärmutterhalskrebs-Screening in Deutschland von allen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen die höchste Inanspruchnahme. Das zweithäufigste in Anspruch genommene Screening im Jahr 2024 war die Früherkennung von Hautkrebs. Auf Platz drei folgte die Prostatakrebs-Früherkennung.

Der “Tag der Krebsvorsorge” findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Er ist 2022 von der AOK und der Deutschen Krebsgesellschaft ins Leben gerufen worden.