Die soziale Herkunft von Kindern entscheidet nach wie vor stark über den Bildungsweg von Jungen und Mädchen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Exzellenzclusters Econtribute der Universitäten Bonn und Köln, die am Donnerstag vorgelegt wurde. Grundlage der Studie sind Daten des Bonn Family Panel, das von der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit einer externen Agentur erhoben wurde. Dieses hat über einen Zeitraum von sieben Jahren mehr als 700 Familien mit Kindern der Geburtsjahrgänge 2002 bis 2004 im Raum Köln-Bonn begleitet.
Fazit: Der „sozioökonomische Status“ der Eltern spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl der weiterführenden Schule. Die Wahrscheinlichkeit, dass Grundschulkinder aus weniger privilegierten Familien den gymnasialen Bildungsweg einschlagen, ist um rund ein Drittel niedriger als bei Gleichaltrigen aus besser gestellten Haushalten. Selbst bei gleichen Leistungen bleibt eine Lücke von etwa 22 Prozentpunkten.
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie stark die soziale Herkunft weiterhin die Bildungswege bestimmt“, sagte Pia Pinger, Ökonomieprofessorin von der Universität Köln, die auch Mitglied im Exzellenzcluster Econtribute ist. „Chancengleichheit ist im deutschen Bildungssystem noch immer nicht gegeben.“ Zu dem Forschungsteam zählten auch die Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk von der Universität Bonn und Fabian Kosse von der Universität Würzburg.
Für die Studie hatten die teilnehmenden Familien einen Fragebogen zu den sozioökonomischen Merkmalen des Haushalts ausgefüllt. Außerdem nahmen im Rahmen der Studie 212 zufällig ausgewählte Grundschulkinder der zweiten und dritten Klasse aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status am Mentoring-Programm „Balu und Du“ teil. Ein Jahr lang trafen sich ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren, meist Studenten, mit den Kindern, um durch gemeinsame Aktivitäten die psychosoziale Entwicklung zu fördern und den persönlichen Horizont zu erweitern.
Bei den auf diese Weise unterstützten Kindern stieg die Wahrscheinlichkeit für einen gymnasialen Bildungsweg um elf Prozentpunkte. Dieser Effekt bestehe auch noch fünf Jahre nach dem Schulwechsel, hieß es. „Der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule bestimmt maßgeblich über die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn“, betonte Pinger. Mentoring-Programm könnten dafür sorgen, dass auch Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status den gymnasialen Bildungsweg einschlagen.