Eine Studie macht neue Details zu einem Missbrauchsfall in der hannoverschen Landeskirche öffentlich. Sie beleuchtet dabei erstmals auch spirituellen Missbrauch in der evangelischen Kirche. Der Pastor V. aus Hermannsburg (1930-2011) hat demnach in der 1970er- und 1980er-Jahren seine herausgehobene Rolle in einer von ihm gegründeten geistlichen Bruderschaft ausgenutzt, um sexuelle Kontakte zu Männern anzubahnen. Mindestens zwei Minderjährige waren betroffen. Die Aufarbeitungskommission halte in mindestens fünf Fällen Straftaten für erwiesen, sagte der Jurist Georg Gebhardt als deren Vertreter.
Die Studie der unabhängigen Kommission wirft zudem der Kirche vor, sie habe eine Aufarbeitung zu zögerlich in Gang gesetzt. Noch zu Lebzeiten des Beschuldigten V. habe sich einer der Minderjährigen an zwei Pastoren gewendet, ohne Folgen. Die Studie empfiehlt, Disziplinarverfahren gegen die beiden Männer zu prüfen.
