Geschichten mit Bestattern sind gern voller Klischees. “Sterben für Beginner” braucht keine – dafür hat der Film das perfekte Drehbuch für glaubhafte Darsteller einer anrührenden und nie rührseligen Tragikomödie.
In Zusammenarbeit mit filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission gibt die KNA Tipps zu besonderen TV-Filmen:
Eric (Edin Hasanovic) hat es in der Musikbranche lange krachen lassen, bis es ihm eines Tages reicht und er den Job als Manager an den Nagel hängt. Eher durch Zufall findet er Arbeit bei dem kleinen Bestattungsunternehmen von Volker Mutz (Peter Kurth), wo sein eher intuitiver Umgang mit Angehörigen ihm Rüffel seines strengen Chefs einbringt.
Zur Herausforderung wird jedoch, dass Eric zu dieser Zeit erfährt, dass sein bester Freund Alex (Max Hubacher) unheilbar an Krebs erkrankt ist. Während dessen schwangere Freundin Karla (Svenja Jung) angesichts von Alex’ lange eher nonchalanter Haltung verzweifelt, bittet dieser seinen Freund um Beistand bei der Beerdigung. Was Eric schon früh in einen moralischen Zwiespalt bringt, weil Alex’ Eltern und Karla unterschiedliche Vorstellungen von der Grabstätte haben.
Die dramatische Komödie von Christian Klandt beruht auf der autobiografischen Buchvorlage “The End: Das Buch vom Tod” des Bestatters und Ex-Musikmanagers Eric Wrede, um den es derzeit auch im aktuellen Kinofilm “Der Tod ist ein Arschloch” geht . Mit dem fröhlichen Musik-/Kneipen-/Feier-Milieu und der Sphäre von Tod, Trauer und Trostbedürftigkeit stellt der Film zwei extrem unterschiedliche Tonlagen einander gegenüber. Bindeglied ist dabei eine famose Besetzung, die Lockerheit und Ernst gleichermaßen glaubwürdig vermittelt, ohne dass sich die Verbindung der Ebenen forciert anfühlen würde.
Die Dialoge von Benedikt Gottwaldt sind pointiert, die Inszenierung vertraut aber oft auch beredten Blicken und Gesten. Eindrucksvoll ist auch die Bereitschaft des Films, sich dem Tod unverklärt, aber mit großem Respekt anzunähern.
“Haben Sie irgendwelche Referenzen?”, fragt der Bestatter, bei dem sich Eric um eine Arbeitsstelle bewirbt. – “Ich war mal Grufti”, lautet dessen Antwort. Die überzeugt offenbar, jedenfalls bekommt Eric den Job. Tatsächlich arbeitete der junge Mann bis kurz zuvor noch im ganz anders gelagerten Musikbusiness – ehe er im Streit hinschmiss.
Die reale Vorlage für die fiktionale Figur des Eric ist Eric Wrede, der von ihn porträtierenden Medien gerne als “Deutschlands bekanntester Bestatter” vorgestellt wird. Die Tragikomödie “Sterben für Beginner” wird nun erzählt nach Motiven aus Wredes Sachbuch-Bestseller “The End. Das Buch vom Tod”. Sie handelt davon, wie aus dem Musikmanager (gespielt von Edin Hasanovic) ein seine neue Branche ziemlich umkrempelnder Bestatter wird. Teils durch Zufall, teils, weil bei Erics bestem Freund Alex (Max Hubacher) kurz zuvor ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert wurde.
Im Zentrum der Story stehen nicht nur die seit Kindheitstagen eng miteinander verbundenen Freunde, sondern auch Alex’ schwangere Freundin Karla (Svenja Jung) – eine eher ungewöhnliche Dreier-Konstellation. Stimmig gezeichnet ist das Milieu dieser einst aus der Provinz nach Berlin zugezogenen, noch immer feierwütigen, mittlerweile nur mehr mitteljungen Menschen.
Während Alex und Karla gemeinsam eine Kneipe betreiben, steht Eric nach seiner Kündigung im Musikbusiness erstmal “bei Null”, wie er es ausdrückt. Dann aber landet er im eingangs erwähnten Bestattungsinstitut von Volker Mutz (Peter Kurth). Der versteht seine Dienstleistung primär darin, der überforderten Kundschaft teure Särge aufzuschwatzen.
Überhaupt pflegt Mutz ein eher starres, technokratisches Berufsverständnis, bei dem Vorschriften im Mittelpunkt stehen, nicht Menschen. Von ihm lernt Eric vor allem, wie er es nicht machen möchte. Bei Mutz’ Nichte Anita (Luna Jordan), die die Leichen wäscht und herrichtet, dafür aber umso mehr: zum Beispiel, während der Arbeit Musik aufzudrehen, die dem oder der Toten (mutmaßlich) gefallen hätte. Auch daraus wird Erics Anspruch erwachsen, den Bestatterberuf dem Menschen zugewandt auszuüben – den Verstorbenen ebenso wie den Angehörigen: empathisch, individuell und frei von Tabus.
Mit dem Gesundheitszustand seines besten Freundes geht es derweil rapide bergab. Viel Platz räumt der Film Alex’ und Karlas verzweifeltem Ringen um ihr miteinander aufgebautes Leben, ihre leidenschaftliche Liebe und die zerbröselnde gemeinsame Zukunft mit Kind ein. Doch auch die sehr körperliche, kindlich-verspielt gebliebene Freundschaft zwischen Eric und Alex erhält ausreichend Raum – ebenso wie die mit der zentralen Tragödie einhergehenden Emotionen sämtlicher Beteiligter wie Trauer, Hoffnung, Wut, Verzweiflung, Resignation, Akzeptanz.
Stimmig und lebendig gezeichnet sind die hier auftretenden Figuren, aber auch ihre Beziehungen untereinander – zu den genannten gesellen sich noch Alex’ Eltern, verkörpert von Steffi Kühnert und Wolfram Koch. Die von den Haupt- bis in die Nebenrollen hinein hervorragend gespielten Charaktere treiben eine überzeugende Story voran, die sich in einer seltenen Balance zwischen Tragik und Komik, traurig und dennoch leichtfüßig bewegt.
Grundlage dafür ist ein Drehbuch, das in seinen Dialogen so präzise wie treffend ist und sich dabei auf das Wesentliche konzentriert, kaum jemals ein Wort zuviel verliert. Und eine sehr filmische Erzählweise, die Vieles über Blicke, Bilder und gelungene visuelle Einfälle zu vermitteln weiß. Ein wahrhaftiger Film über den Tod, der zu einer Feier des Lebens gerät – besser geht’s eigentlich nicht.