Alt werden und dabei gesund bleiben: Das wollen alle Menschen. Dafür sollten sie etwas tun, sagen Wissenschaftler der Berliner Charité – und setzen mit dem digitalen Vorsorgeangebot “Sundi” auch auf Eigenverantwortung.
Die Knie tun beim Treppensteigen weh? Doktor Google hat gewiss eine Antwort darauf – aber ab sofort auch das neue digitale Präventionsangebot “Sundi” () der Berliner Charité. Es bietet demnach wissenschaftlich geprüfte Informationen und Alltagstipps zu Gesundheitsthemen auf Deutsch und Englisch, wie die verantwortlichen Wissenschaftler am Mittwoch in Berlin erklärten.
Das Angebot richtet sich laut Angaben an Menschen ab 55 Jahren, die von der Fülle an Gesundheitsinformationen im Internet verunsichert sind “und gerne gesund leben möchten”.
Es gehe darum, “älter zu werden und dabei gesund zu bleiben”, erklärte Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus; das Unternehmen verantwortet das Projekt gemeinsam mit der Charité und Wissenschaftlern des Karolinska Institutet Stockholm. Viele Menschen hätten aber keinen Zugang zu gesicherten Informationen oder Schwierigkeiten, im Netz zwischen guten und schlechten Quellen zu unterscheiden.
Im Unterschied etwa zu ChatGPT greife der KI-Assistent von Sundi, der in 80 Sprachen verfügbar ist, nicht auf das gesamte Netz zu, sondern nur auf wissenschaftlich geprüfte Literatur, sagte Katja Vonhoff, Leiterin im Robert Bosch Centrum für Innovationen im Gesundheitswesen. Zudem könne man “ihm Fragen stellen, bis man es verstanden hat”. Eine aktuelle Studie zur Gesundheitskompetenz habe gezeigt, dass diese in der Altersgruppe 60 plus besonders gering ausgeprägt sei.
Der Geschäftsführer der Charité-Universitätsmedizin, Heyo K. Kroemer, sagte, das Gesundheitssystem sei auf Dauer nicht lebensfähig, wenn es nur als reiner “Reparaturbetrieb” funktioniere. Die Menschen würden immer älter und damit auch anfälliger. Prävention sei deshalb eine wichtige Strategie. “Wir müssen dafür Sorge tragen, dass weniger Menschen krank werden.”
Sundi bietet demnach Informationen zu den Themen Schlaf, Ernährung, Bewegung, Ausgeglichenheit und Stressbewältigung. Das Besondere sei, dass sie wissenschaftlich geprüft seien und “persönlich zugeschnitten” werden könnten, sagte Vonhoff. So helfe das Angebot, sich realistische persönliche Ziele zu setzen. Sundi solle eine “Begleitung für den Alltag sein, ohne das Leben auf den Kopf zu stellen”.
Man wolle zudem ein niedrigschwelliges Angebot an qualitativ hochwertigen gesundheitlichen Informationen für Menschen, die unter schwierigen Lebensbedingungen lebten, “etwa mehrere Jobs haben oder einen Angehörigen pflegen müssen”, betonte sie.
Das Angebot sei vorerst nicht als App sondern lediglich als Website abrufbar; Befragungen der Zielgruppe hätten ergeben, dass in diesem Alter oft Vorbehalte beim Herunterladen von Apps existierten und viele gern einen Standcomputer nutzten.
Demnach ist das Angebot speziell auf ältere Menschen zugeschnitten, “weil wir da den größten Bedarf sehen”. Es sei aber auch für jüngere Menschen sinnvoll, sich bei sundi zu informieren. Eine medizinische Behandlung ersetze das Angebot allerdings nicht, so die Experten.