Nordrhein-Westfalen belegt einer vorläufigen Statistik zufolge bei den durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler oder Schüler im Vergleich der Bundesländer den letzten Rang. Im Jahr 2023 gab NRW rechnerisch für jeden Schüler einer öffentlichen Schule, also allgemeinbildender Schulen und Berufsschulen, 8.900 Euro aus, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden erklärte. Die SPD-Opposition beklagte, dass NRW seit Jahren Schlusslicht sei. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) verwies darauf, dass kein anderes Bundesland pro Einwohner so viel Geld für Bildung ausgebe wie Nordrhein-Westfalen.
„Nordrhein-Westfalen investiert so viel wie nie zuvor in die Bildung der jungen Generation“, sagte Feller. Der Schuletat wachse dieses Jahr im Vergleich zu 2024 um 2,2 Milliarden Euro auf insgesamt 24,5 Milliarden Euro. „Er ist damit weiterhin der größte Einzelposten im Landeshaushalt“, betonte die CDU-Politikerin. „Bildung hat für diese Landesregierung oberste Priorität.“
Laut Statistischem Bundesamt nahmen im Jahr 2003 die Spitzenplätze mit den höchsten Ausgaben pro Schüler Berlin mit 13.400 Euro, Hamburg mit 12.300 Euro und Bayern mit 11.300 Euro ein. Der Bundesdurchschnitt lag bei 9.800 Euro je Schülerin oder Schüler. NRW erreichte im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr einen um 200 Euro höher liegenden Durchschnittswert bei den pro-Kopf-Ausgaben, konnte aber seine Position im Länder-Ranking nicht verbessern.
Auch beim Blick auf einzelne Schulformen schnitt NRW 2023 schlecht ab: Für jeden Grundschüler flossen im Schnitt 7.500 Euro. Damit lag NRW gemeinsam mit Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt auf dem letzten Platz. Spitzenreiter Hamburg gab für jeden Grundschüler durchschnittlich 12.600 Euro aus. Der Bundesdurchschnitt bei Grundschulen im Jahr 2023 betrug 8.200 Euro.
Aufgrund unterschiedlicher Schulsysteme gibt es keine Vergleichszahlen für die Ausgaben für Schüler an Haupt- oder Realschulen. Bei den integrierten Gesamtschulen erreichte NRW – vor Schleswig-Holstein mit 10.000 Euro Ausgaben pro Schüler – mit 10.500 Euro den vorletzten Platz. Spitzenreiter in diesem Bereich war Berlin mit 16.500 Euro. Im Bundesdurchschnitt wurden 11.600 Euro für jeden Schüler einer integrierten Gesamtschule investiert.
Bei den Gymnasien erreichte NRW ebenfalls mit durchschnittlichen pro-Schüler-Ausgaben in Höhe von 9.700 Euro den vorletzten Platz. Schlusslicht war auch hier Schleswig-Holstein mit 9.600 Euro. Spitzenreiter Berlin gab hier im Durchschnitt 14.200 Euro aus. Der Bundesdurchschnitt bei den Gymnasiasten lag bei 10.900 Euro.
Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Oppositionsfraktion im Düsseldorfer Landtag, Dilek Engin, nannte es nicht verwunderlich, dass die Ausgaben je Schüler zu niedrig seien. Zu viele Lehrerstellen seien unbesetzt und es fehlten Investitionen in die schulische Infrastruktur. Erforderlich sei eine klare Regelung bei der Schulfinanzierung: „Bund, Land und Kommunen müssen sich darauf verständigen, wer für welche Ausgaben aufkommt.“ Städte und Gemeinden schafften es nicht allein, betonte Engin. Dafür seien die Aufgaben wie Rechtsanspruch auf Ganztag, Gebäudemanagement und Digitalisierung zu groß.