Fadumo Adan Hersi sitzt in ihrem Restaurant und kocht. Es ist früh am Morgen, die 39-Jährige bereitet Injera vor, ein leicht säuerliches Fladenbrot, und Fleisch. Der Raum aus Holzleisten, rot angemaltem Wellblech und unbefestigtem Boden liegt am Rand eines Lagers für somalische Geflüchtete in Garowe, der Hauptstadt der halbautonomen Region Puntland im Norden Somalias.
„Ich bin sehr glücklich, dass ich arbeite und für meine Kinder sorgen kann“, betont Fadumo, die ein dunkelblaues Kopftuch und einen dazu passenden Rock trägt. Vor acht Jahren musste sie vom Land nach Garowe fliehen, nachdem die ganze Viehherde ihrer Familie während einer Dürre verendet war.
An das Leben in der Stadt war die Somalierin nach Jahrzehnten der halbnomadischen Existenz nicht gewöhnt und fand keine Arbeit. Sie war auf Hilfe angewiesen, zusammen mit den acht Kindern, für die sie alleine verantwortlich ist: sechs eigene und zwei Waisen aus ihrer Familie, die sie aufgenommen hat. Ihr Mann verließ sie nach dem Verenden der Herde.
Rund 56.000 Menschen haben laut den Vereinten Nationen 2024 in und um Garowe Zuflucht gesucht. Somalia ist seit Jahrzehnten umkämpft: zwischen verschiedenen Clans, zwischen der islamistischen Al-Shabaab-Miliz und der somalischen Regierung. Der nördliche Bundesstaat ist etwas stabiler als der Süden, nicht zuletzt, weil es nur einen Clan gibt.
Aber Dürren und Überschwemmungen zerstören die Überlebensgrundlagen der Menschen auch hier, treiben sie auf der Suche nach Hilfe in die Städte. Dort können sie sich aus eigener Kraft kaum eine Existenzgrundlage aufbauen, die meisten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dass viele internationale Geber ihre Zahlungen an die Vereinten Nationen drastisch gekürzt haben, allen voran die USA, hat den Druck auf die Regierung von Puntland verschärft und die Not der Geflüchteten vergrößert.
Fadumo hingegen hatte Glück: Dank ihres Restaurants ist sie nicht mehr auf Hilfe angewiesen. Aus einer Tasse gießt sie gerade Injera-Teig auf die heiße Mitad-Platte, auf der sie die Fladenbrote einzeln ausbackt. Mit dem Boden der Tasse verteilt sie den Teig, zieht dabei ein kreisförmiges Muster hinein. Zum Garen kommt ein Deckel auf die Platte – Fadumo schaut hoch, sie ist bereit für ein kurzes Gespräch. Ihre Lage sei noch immer nicht einfach, aber „ich arbeite hart, damit ich meine Kinder in die Schule schicken und ihnen eine Ausbildung bezahlen kann“.
Ermöglicht hat ihr das vor allem die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GIZ), die staatliche deutsche Entwicklungsorganisation. Ziel sei es, die Menschen von Hilfe unabhängig zu machen und ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit zu fördern, sagt die Leiterin des GIZ-Projekts, Purnima Chattopadhayay-Dutt.
Für die Pilotphase wurden 700 Haushalte ausgesucht, darunter auch Menschen, die schon lange in Garowe leben, deren finanzielle Situation aber trotzdem kritisch ist. Neben Kursen zur Alphabetisierung und zu Grundrechenarten erhielten die Geförderten auch längerfristige Unterstützung bei der Umsetzung eigener Geschäftsideen für den künftigen Lebensunterhalt – und zum Schluss eine Starthilfe.
Fadumo bekam für den Start eine kleine Solaranlage und einen Kühlschrank, in dem sie Kamelmilch kühlen und dann verkaufen kann. Das Geld für Baumaterial und Einrichtung ihres Restaurants musste sie selbst zusammenbekommen, was ihr durch einen Kredit und dank einer Frauen-Spargruppe gelang, zu deren Gründung die GIZ geraten hatte.
Andere Frauen machten sich als Bäckerinnen oder Konditorinnen selbstständig, mit dem Verkauf von Ziegenmilch, oder als Schneiderinnen. Viele verkaufen ihre Ware online, indem sie mit kurzen Videos bei TikTok oder Instagram für ihre Produkte werben. Wohnen die Kundinnen in der Nähe, liefern die Frauen selbst, andernfalls beauftragen sie einen Motorradkurier.
Nicht alle von ihnen sind nicht so erfolgreich wie erhofft. Einige der Geschäftsideen werfen nur ein Zubrot ab, der Gewinn reicht nicht zum Leben. Was sie an Wissen dazugewonnen haben, darunter die Fähigkeit zu lesen und zu rechnen, kann den Frauen allerdings niemand mehr nehmen.
Für Fadumo war die Geschäftsgründung ein besonderes Wagnis, schließlich hatte sie bis zu der für sie verheerenden Dürre kaum mit Geld zu tun gehabt. Und bis zu ihrer Teilnahme an dem Projekt war ihr auch einfachste Buchhaltung fremd. „Ich danke Gott für die Chance“, sagt sie. Auch weil sie mitbekommt, dass internationale Hilfe immer knapper wird.