Social-Media für Jugendliche: Wissen statt Verbot

Hass, Hetze, Deep Fakes: Die Gefahren in sozialen Medien sind real. Ein Verbot für unter 16-Jährige greift jedoch zu kurz. Wie die Kirche die Medienkompetenz stärken kann. Ein Kommentar.
Social-Media für Jugendliche: Wissen statt Verbot
Ständig sind auch schon die Jüngsten auf Social Media beschäftigt (Symbolbild) - Imago / epd-bild
Australien hat es vorgemacht, nun wollen andere Staaten nachziehen: ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Auch in Deutschland steht das Verbot zur Debatte. Das Bestreben, Kinder und Jugendliche vor Hass und Hetze im Netz zu beschützen, ist richtig, aber Verbote sind nicht die Lösung. Sie greifen meist zu kurz und versuchen einen einfachen Weg zu finden, wo es keinen gibt. Wer Kinder und Jugendliche schützen will, der muss sie besser begleiten, besser vorbereiten auf das, was im Internet und auf Social Media wartet. Denn Hass, Hetze und andere Inhalte werden nicht verschwinden. Der spanische Ministerpräsident Sánchez erklärte zur Begründung des Verbots in Spanien, „unsere Kinder sind einem Raum ausgesetzt, den sie nie allein hätten erkunden sollen“. Er hat Recht, doch ein Verbot für unter 16-Jährige ändert das nicht. Dann werden eben die über 16-Jährigen damit allein sein.

Social-Media-Verbot: Medienkompetenz als Schlüssel

Echte Medienkompetenz statt Verbote. Das muss das Ziel sein. Nicht veraltete Informationen, die jemand vermittelt, der selbst nicht so genau weiß, wie es geht. Sondern informierte, gut ausgebildete und am besten selbst mit Social Media vertraute Lehrer, Betreuer, Sozial- und Gemeindepädagogen und auch Pastoren, die sich die Zeit nehmen, Kindern zu erklären, was es mit Reichweiten, Privatsphäre, Likes, Deep Fakes, mit Tiktok, Instagram und Co. auf sich hat. Informierte Kinder und Jugendliche, die erkennen können, wenn etwas Fake ist, das ist der beste Schutz.
Junge Frau mit mittelblonden, langen Haaren und weißem Top
Unsere Autorin Mirjam Rüscher - Studioline
Die Kirche kann hier wunderbar helfen: Gibt es doch mittlerweile einige junge Pastorinnen und Pastoren, die auf Social Media präsent sind und sich bestens mit den Vorteilen und Fallstricken auskennen. Warum nicht Medienkompetenz zum Teil des Konfirmandenunterrichts machen? Und nicht nur dort: Instagram, Tiktok und Co. sollten auch Thema bei Seniorennachmittagen und anderen Veranstaltungen werden. Es gibt auch einige Ältere, die Hilfestellung im Umgang mit den Sozialen Medien brauchen. Vielleicht können Großeltern und ihre Enkel hier sogar etwas zusammen tun und in Begleitung ihre Accounts erstellen und bearbeiten. Es ist doch besser, wenn Kinder und Jugendliche beim Erkunden der sozialen Medien und des Internets angeleitet werden, als dass sie es heimlich und ohne Hilfe für sich entdecken. Denn so viel ist bei einem Verbot doch klar: Es wird in jedem Fall einige provozieren, es jetzt erst recht auszuprobieren.
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Ein Beitrag von:

Angela Wolf

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