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Simulation zum Insektensterben: 24 Milliarden Euro Verlust in Europa

Die Universität Hohenheim in Stuttgart hat den gesamtwirtschaftlichen Schaden eines möglichen Insektensterbens berechnet und kommt für das Jahr 2030 europaweit auf 24 Milliarden Euro. Denn ein weitgehendes Verschwinden der wildlebenden Bestäuber hätte weltweite Folgen für Landwirtschaft, Erträge, Preise, Handel und Ernährung, teilte die Universität am Donnerstag mit. Deshalb sei der Schutz nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von zentraler Bedeutung.

Die Erträge von Kulturen wie Obst, Gemüse und Ölsaaten, die von Bestäubern abhängig sind, würden laut der Simulation mit einem angenommenen Insektenrückgang um 90 Prozent drastisch sinken, während etwa Getreide, das nicht durch Tiere bestäubt wird, kaum betroffen wäre. Regionen wie Spanien oder Teile Osteuropas, die stark von wildlebenden Bestäubern abhängen, müssten mit Ertragseinbußen von über 20 Prozent rechnen. Für die Untersuchung nutzten die Forscher das etablierte agrarökonomische Simulationsmodell CAPRI.

Durch die sinkenden europäischen Erträge und steigenden Preise käme es zu spürbaren Verschiebungen im internationalen Handel. Die Europäische Union (EU), bislang Nettoexporteur vieler Obst- und Gemüsearten, würde zum Nettoimporteur. Asien sowie Mittel- und Südamerika könnten zwar rund 80 Prozent der zusätzlichen europäischen Nachfrage decken, doch weltweit würden Verbraucher durch höhere Preise belastet. Besonders ärmere Länder und Haushalte wären betroffen. Die verstärkte europäische Nachfrage würde zu Versorgungsdefiziten in Teilen Afrikas, Mittel- und Südamerikas sowie Asiens führen.

Die Wildbestäuber könnten nicht vollständig durch Honigbienen oder technische Verfahren ersetzt werden, warnen die Forscher. Um die Erträge und die Ernährung zu sichern, brauche es deshalb eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft und die Förderung von Blühstreifen, Hecken und extensiv genutzten Flächen. (2901/13.11.2025)