Die Journalisten Sophia Maier und Jan Lorenzen haben am Sonntag für Arbeiten zu Demokratie und Radikalisierung den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten 17. Siebenpfeiffer-Preis erhalten. Mit dem Preis werden in der Regel alle zwei bis drei Jahre Medienschaffende ausgezeichnet, die demokratisches Bewusstsein fördern, ohne auf ihre Karriere Rücksicht zu nehmen. In seiner Laudatio im saarländischen Homburg forderte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Mika Beuster, angesichts einer bedrohten Pressefreiheit von der künftigen Bundesregierung einen Masterplan für Medien.
Union und SPD planten ein milliardenschweres Sondervermögen, sagte Beuster laut Redetext. „Doch was ist uns die Verteidigung der Grundlagen unserer Demokratie wert? Die Verteidigung der Fakten, der Wahrheit, der Information?“ Ein Masterplan für Medien müsse ein europäisches soziales Netzwerk anstreben, „das sich an den geltenden Gesetzen und dem Gemeinwohl orientiert, nicht nach den Regeln des Wilden Westens“. Die Plattformen müssten in die Verantwortung genommen werden. Auch US-Internetmogul „Elon Musk und Co“ müssten sich an die Gesetze halten.
Beuster verlangte zudem eine staatsferne Förderung des Lokaljournalismus und eine Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie der Nachrichten- und Medienkompetenz in Schule, Ausbildung, Uni und Beruf. Faktenchecks und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben, müssten unterstützt werden, auch wenn sie „im Augenblick in manchen politischen Kreisen als Bedrohung verstanden“ würden. US-Präsident Donald Trump und sein Vize DJ Vance sowie Musk schwafelten von „absoluter Redefreiheit“, die es angeblich in Deutschland nicht gebe, erstellten aber Listen mit Worten, die man in den USA in Amtsstuben oder Universitäten nicht mehr sagen dürfe, kritisierte der DJV-Chef.
Wenn Autokraten versuchten, durch hybride Kriegsführung ihre Staatsformen auch in den Westen zu tragen, müsse ihrem Narrativ etwas entgegengesetzt werden, betonte Beuster. „Unsere Freiheit wird derzeit nicht nur mit Kanonen verteidigt, etwa in der Ukraine, sondern auch durch Journalismus, der die Wahrheit verteidigt.“ Der DJV-Vorsitzende warnte aber vor Besserwisserei und angeblicher moralischer Überlegenheit: „“Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass sich nicht jene, die eine andere als die Mehrheitsmeinung haben, an den Rand gedrängt und geächtet fühlen." Laut Umfragen glaubten etwa 40 Prozent der Menschen, man dürfe in Deutschland nicht mehr alles sagen.
Die Investigativ-Journalistin Sophia Maier wurde für ihre RTL-Produktion „Ist unsere Demokratie in Gefahr?“ mit dem Siebenpfeiffer-Preis geehrt, der Journalist Jan Lorenzen für seine ARD-Dokumentation „Wir waren in der AfD - Aussteiger berichten“. Den mit 1.000 Euro dotierten zusätzlichen Sonderpreis bekam die Journalistin Simone Wagenhaus von der "Frankfurter Neuen Presse für eine Serie zu den Anfängen des Parlamentarismus in Deutschland. Alle drei hätten bewiesen, was exzellenter Journalismus zu leisten vermöge, sagte Beuster.
Die seit 1989 von der Siebenpfeiffer-Stiftung vergebene Auszeichnung ist nach Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) benannt, der erster Landcommissär des ehemaligen Landkreises Homburg war. Er gilt als Vorkämpfer für die Pressefreiheit und die deutsche Einheits- und Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts.