Die Landespolizei Schleswig-Holstein will Sexismus am Arbeitsplatz stärker bekämpfen. Nach der vom Bund geförderten Polizeistudie „MEGAVO“ beobachteten fast die Hälfte der bei der Polizei in Schleswig-Holstein Beschäftigten innerhalb eines Jahres sexistische Äußerungen in ihrem Berufsalltag. „Auch deshalb wollen wir genauer hinschauen und das Thema besprechbar machen“, sagte Lilly Engel vom Landespolizeiamt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Am Mittwoch soll es ein Dialogforum zum Thema für Polizistinnen, Polizisten und Öffentlichkeit in der Kieler Hermann-Ehlers-Akademie geben.
Männer könne Sexismus auch betreffen, häufiger seien jedoch Frauen und Personen mit vielfältiger Geschlechtsidentität im Fokus, sagt Engel. Sexismus sei in allen Branchen zu finden, nicht nur bei der Polizei. „Es beruht auf ungleichen gesellschaftlichen Macht- und Geschlechterverhältnissen. Arbeitsbereiche, in denen vor allem Frauen oder queere Personen unterrepräsentiert sind, können allerdings häufiger davon betroffen sein“, erklärte die Wertebeauftragte. Starke Hierarchien und Berufe, in denen traditionelle Rollenbilder vorherrschen, könnten Sexismus begünstigen.
Durch den Rechtsruck und die Zunahme konservativer Weltbilder in der Gesellschaft nähmen auch traditionelle Rollenbilder und die Abwertung von queeren Personen oder Frauen wieder zu. Gleichzeitig gebe es mehr Aufklärung zum Thema. „Durch die Sensibilisierung werden Verhaltensweisen heute als sexistisch erkannt, die früher als ‘normal’ galten“, sagt Engel, die bei der Zentralen Ansprechstelle Antirassismus der Landespolizei arbeitet.
Dabei lasse sich Sexismus eindeutig vom Flirten abgrenzen. „Sexismus ist abwertend und übergriffig, wohingegen Flirten auf Freiwilligkeit und gegenseitigem Respekt beruht.“ Engel und nennt konkrete Beispiele: „Das kann so aussehen, dass in Besprechungen nur männlichen Personen zugehört wird oder nur diese angeguckt werden. Auch abwertende oder sexualisierte Kommentare zur Figur können sexistisch sein.“ Männern Empathie und Sensibilität als Schwäche auszulegen, sei ebenfalls sexistisch.
Betroffene litten oftmals unter diesem Umgang. „Sexismus am Arbeitsplatz kann vor allem dafür sorgen, dass die Betroffenen sich in der Umgebung nicht mehr wohl oder wertgeschätzt fühlen“, sagt Engel. Das könne Arbeitsmotivation, Selbstwertgefühl und psychische Gesundheit stark beeinflussen. Frauen trauten sich auf ihre Karriere dann weniger zu oder glaubten, mehr leisten zu müssen als Männer, um auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.
Es sei wichtig, dass Betroffene sexistisches Verhalten klar ansprechen, etwa mit Sätzen wie: „Die Aussage finde ich nicht in Ordnung.“ So zeigten sie, dass bestimmte Sprüche oder Kommentare nicht geduldet würden. „Auch die Unterstützung von anderen kann hilfreich sein, um die Gruppendynamik positiv zu gestalten und klare Haltung zu zeigen“, betont Engel. Die Landespolizei biete außerdem Unterstützung durch Gleichstellungsbeauftragte, die Zentrale Ansprechstelle LSBTIQ*, die Polizeiseelsorge und die Landespolizeibeauftragte an.