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Schulleiter beklagen Überlastung – kaum Besserung in Sicht

Wachsende Aufgaben, mehr Bürokratie, zu wenig Lehrer: Eine große Mehrheit der Schulleiter sagt, ihre Zeit reiche nicht für gute Führung. Besonders dramatisch ist die Lage an Förderschulen.

Schulleitungen in Deutschland fühlen sich nach Angaben einer Lehrergewerkschaft massiv überlastet und sehen kaum Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) beruft sich dabei auf eine repräsentative Umfrage unter rund 1.300 Schulleitern, die er am Freitag beim Deutschen Schulleitungskongress in Düsseldorf veröffentlichte. Demnach halten nur ein Prozent der Befragten die ihnen zur Verfügung stehende Leitungszeit für ausreichend. 82 Prozent sagten, dass die Zeit nicht reiche, um Schulen gut zu führen und weiterzuentwickeln.

“So kann Schule den Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht gerecht werden”, sagte VBE-Vize Tomi Neckov. Schulleitungen bräuchten dringend Entlastung und mehr Unterstützung. Fast alle Befragten forderten zusätzliche Leitungsstunden, multiprofessionelle Teams oder mehr Gestaltungsspielraum.

Trotz hoher Belastung arbeiten viele Schulleiter laut Umfrage weiterhin gerne in ihrem Beruf: 85 Prozent geben an, ihn sehr oder eher gerne auszuüben. Doch nur rund die Hälfte würde den Beruf aktiv weiterempfehlen. Belastungsfaktoren wie stetig wachsende Aufgaben (96 Prozent), steigende Verwaltungsarbeit (93 Prozent) und fehlende Zeitressourcen (92 Prozent) sorgen dafür, dass mehr als ein Drittel die eigenen Aufgaben nur noch gelegentlich oder nie zur eigenen Zufriedenheit erfüllen kann. Viele bleiben dennoch im Amt – vor allem wegen der Schüler (36 Prozent) oder aufgrund des Kollegiums (30 Prozent).

Ein zentrales Problem bleibt offenbar der Lehrermangel. Im Durchschnitt sind nach Angaben der Schulleitungen pro Schule 1,4 Stellen unbesetzt – besonders stark betroffen sind Förderschulen mit durchschnittlich 4,1 offenen Stellen. Bundesweit erwarten 25 Prozent der Befragten, künftig “sehr stark” unter fehlendem Personal zu leiden. An Förderschulen teilen 43 Prozent diese Einschätzung.

Neckov forderte die Politik auf, den Lehrermangel energischer zu bekämpfen: “Es reicht nicht aus, wenn die Politik sich darauf verlässt, dass es in ein paar Jahren möglicherweise besser werden soll. Wir brauchen die Entlastung jetzt und nicht später.”

Die Umfrage wurde im Auftrag des VBE vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt. Sie fand im September und Oktober statt.