Nervenschmerzen oder Spastik – dagegen soll Cannabis helfen. Derzeit sei es aber zu umständlich, an eine entsprechende Verordnung zu kommen, sagen Schmerzmediziner. Sie fordern eine Vereinfachung.
Einen Abbau der Bürokratie bei der Verordnung von medizinischem Cannabis für Schmerzpatienten befürworten Fachmediziner. “Die Bürokratie darf hier nicht zur Versorgungsbremse werden”, betonte Richard Ibrahim, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), am Freitag in München auf dem Innovationsforum der Gesellschaft. “Für schwerkranke Patienten, bei denen andere leitliniengerechte Behandlungen nicht gewirkt haben, wird Cannabis zu einem immer wichtigeren Instrument”, sagte Vizepräsident Jan-Peter Jansen. Cannabinoide könnten Schmerzen lindern und die Lebensqualität schwerkranker Schmerzpatienten verbessern.
Seit Oktober 2017 ist eine Kostenübernahme von Cannabis in der medizinischen Versorgung möglich. Als mögliche Einsatzgebiete für cannabisbasierte Medikamente gelten demnach derzeit insbesondere chronische Nervenschmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose sowie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen unter Chemotherapie. Die Behandlung mit dem als Rauschmittel bekannten Cannabis untersteht laut Jansen einer ständigen wissenschaftlichen Überprüfung.
Genehmigungsverfahren bei den Krankenkassen brauchen laut DGS zu viel Zeit; Patienten müssten dadurch auf den Behandlungsbeginn warten. Auch werde ein Drittel aller Anträge abgelehnt. Gründe für die Ablehnung sind laut Angaben unterschiedliche Bewertungen der Indikationsstellung, die nicht ausgeschöpfte Standardtherapie und Fehler bei der Antragstellung. Einigen Ärzten fehle zudem die Erfahrung im Umgang mit Cannabinoiden, hieß es weiter. Vorbehalte wegen möglichen Missbrauchs tragen demnach ebenfalls zur Unterversorgung von Schmerzpatienten bei.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin leiden deutschlandweit mehr als 15 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen – bei stetig zunehmender Komplexität der Krankheitsbilder.
Linderung versprechen neben klassischen Behandlungen und dem medizinischen Cannabis mittlerweile demnach auch Schmerzschrittmacher – so genannte Neuromodulationsverfahren. Die Geräte arbeiten ähnlich wie ein Herzschrittmacher und senden Impulse an Nerven, um die Schmerzwahrnehmung zu verändern, aber ohne die Nerven zu schädigen.