Mehr als fromme Beter: Die Mönche vom Bodensee waren im Mittelalter europaweit vernetzt. Sie schufen weltberühmte Kunstwerke und berieten Kaiser und Päpste. In Konstanz öffnet dazu nun eine kultur-historische Ausstellung.
Die schillernde Geschichte der Benediktiner vom Bodensee steht ab Samstag in Konstanz im Zentrum der baden-württembergischen Landesausstellung “Welterbe des Mittelalters – 1.300 Jahre Klosterinsel Reichenau”. Das Kloster Reichenau stieg in einer einzigartigen Verbindung von Religion, Wissenschaft, Kunst und Machtpolitik im Frühmittelalter zu europäischer Bedeutung auf. Das Archäologische Landesmuseum zeigt Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen. Damit kommen die Kunstschätze erstmals zurück an den Ort ihrer Entstehung. Zu erleben sind prachtvoll verzierte Bibel-Handschriften, die zum Unesco-Welterbe zählen, Glasmalereien, Goldschmiedekunst und Elfenbeinschnitzereien – aber auch Zeugnisse für das mittelalterliche Alltagsleben.
“Klöster waren Herrschafts- und Verwaltungssitze, religiöse Zentren und kulturelle Leuchttürme. Nach der Antike entstanden hier die Wurzeln Europas neu”, sagte Ausstellungskurator Olaf Siart am Mittwoch in Konstanz. Gezeigt werden bis 20. Oktober rund 250 Objekte.
Zugleich ist die Insel selbst Teil der Ausstellung und des damit verbundenen Jubiläumsjahrs. Die Münsterschatzkammer wurde neu gestaltet und präsentiert Reliquien und religiöse Kunstwerke. Bei Sonderführungen sind die drei romanischen Inselkirchen und die neu angelegten Klostergärten zu erleben. Mittels einer kostenfreien App begegnen Besucher historischen Figuren, sehen digitale Rekonstruktionen der Klostergebäude und können Expertenvideos abrufen. Die Bestsellerautorin Tanja Kinkel hat für die App mehrere Hörspiel-Dialoge verfasst.
Zum Jubiläum 1.300 Jahre Klosterinsel gehört auch ein Kulturprogramm der Bürger der Reichenau – beispielsweise mit Open-Air-Theater und Konzerten. Zu Festgottesdiensten und Prozessionen, aber auch zu täglichen Gebetszeiten lädt die seit einigen Jahren wieder auf der Insel beheimatete kleine Reichenauer Benediktinergemeinschaft ein.