Am 27. Februar 1905 war es so weit. Der neue Berliner Dom – die größte evangelische Kirche Deutschlands, das Wahrzeichen des preußisch-deutschen Protestantismus – wurde eröffnet. Die Prunkkirche – im Volksmund seinerzeit als „Seelengasometer“ bespöttelt – war äußerst ehrgeizigen Vorstellungen entsprungen. Als Gegenstück zum Petersdom in Rom wurde sie gesehen. Dessen Maße erreichte sie nicht, ihre Fläche war aber größer als die des Kölner Doms und die Kuppel über der Predigtkirche so hoch, dass darunter die Siegessäule Platz gefunden hätte. Neben der zentralen Predigtkirche gehörten zum Dom südlich anschließend die Tauf- und Traukirche, nördlich die Denkmals- oder Gruftkirche mit der darunter gelegenen Gruft der Hohenzollern.
Hohenzollerngruft sechs Jahre lang saniert
Nach sechs Jahren Sanierung wird die Gruft am 28. Februar wiedereröffnet, fast auf den Tag 121 Jahre nach der Einweihung des Doms. Die Denkmalskirche darüber gibt es freilich schon einige Zeit nicht mehr. Sie wurde 1983 in Folge der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen Schäden abgerissen.
Viel gab es in der Hohenzollerngruft und um sie herum zu tun. Die technische Infrastruktur wurde erneuert, eine Fußbodenheizung und moderne Brandschutztechnik eingebaut, ein neues Beleuchtungssystem installiert, die Gruft mit einer Klimaanlage ausgestattet. Dabei galt es mancher Schwierigkeit zu begegnen: die Einnahmen des Doms fielen während des Corona-Lockdowns aus, es gab Preiserhöhungen für Material, neue Ausschreibungen waren nötig und manche Überraschung hinsichtlich veralteter schadhafter Wasserleitungen und Kabel erhöhte den Aufwand. Statt wie geplant im Februar 2023 findet die Wiedereröffnung deshalb nun drei Jahre später statt.
Hohenzollerngruft neu gestaltet
Neben der technischen Modernisierung sind bemerkenswerte gestalterische Veränderungen vorgenommen worden. So nähern sich die Besucher fortan über einen schmalen Gang der Tür zur Gruft, auf dessen linker Wand eine Abbildung des Trauerzugs zur Bestattung des Großen Kurfürsten zu sehen ist. So eingestimmt, betreten sie den Vorraum der Gruft, der neben Informationen zu den Hohenzollern, zur lange Zeit verbreiteten Kindersterblichkeit und den Materialien der Särge ein Modell derselben bietet.
Wie Dombauleiterin Sonja Tubbesing, die die Sanierung der Gruft geleitet hat, erklärt, können diese Modelle von den Besuchern einzeln angesteuert werden: „Das heißt, der leuchtet dann auf. Da seh ich, ah, da liegt der Friedrich Wilhelm, mit wem war der verheiratet, woran ist er gestorben, was gab es für Grabbeigaben. Also man kann sich sozusagen virtuell den Särgen nähern, bevor man sie dann in echt sieht.“
Auf diese Weise vorbereitet, betreten die Besucher durch eine von zwei Seitentüren eines schmiedeeisernen Gitters, das den Vorraum von der Gruftanlage trennt, dieselbe wie einen Friedhof. Zwei von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) entworfene Engelsfiguren vor dem Gitter stimmen zusätzlich in diesem Sinn ein.
Führungen neu konzipiert
Sie standen bereits, als die Gruft errichtet wurde, etwa an dieser Stelle. Auch die Särge wurden, so gut es ging, wieder dort aufgestellt, wo sie ursprünglich platziert waren. Anstelle der alten, eher funzelig-trüben Beleuchtung sorgt auf den Kapitellen der Säulen der Gruft nun eine neue Lichtanlage für ein atmosphärisch angenehmes indirektes Licht. Feine Spots heben besondere Särge extra hervor. Und statt der feuchten, muffigen Luft ist der Raum gut klimatisiert.
Bessere liturgische Einheit
Im Zuge der Sanierung hat man sich ein neues Konzept für die Führungen durch den Dom überlegt. Früher wurde die Gruft am Ende der gesamten Domführung aufgesucht. Jetzt, so Sonja Tubbesing, sollen Besucher direkt nach dem Gang durch die Predigtkirche die Grablege aufsuchen. So entstehe eine bessere liturgische Einheit. „Spiritualität und Glauben und dann: was passiert mit dem Tod, die Wiederauferstehung“, erklärt sie. Die Hohenzollerngruft ist die wichtigste dynastische Grablege Deutschlands und eine der bedeutendsten in Europa, neben der Kapuzinergruft in Wien, den Königsgräbern in der Kathedrale St. Denis von Paris und der Gruft der spanischen Könige im Escorial bei Madrid. Ihr Besuch vermittelt neben Einblicken in die Grabkultur vieler Jahrhunderte auch historische Erkenntnisse.
Nicht zuletzt ist es der Besuch eines Friedhofs, der nun dank neuer Wege- und Raumordnung den Besuchern den Zugang zu den Särgen der Hohenzollern leichter macht als zuvor. „Uns war es wichtig“, hebt Sonja Tubbesing hervor, „dass es mehrere Wege durch die Grablege gibt, damit die Leute näher an die Särge herantreten können und sich da auch wieder so ein Friedhofsgefühl, so ein Mäandern durch ein Gräberfeld ergibt.“
