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“Saarland-Monitor”: Menschen für Demokratie, aber unzufrieden

Die Demokratie als Staatsform hat im Saarland laut Politikwissenschaftler Uwe Jun eine „weitgehende Unterstützung“. So stimmen 89 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer der Aussage zu, dass die Demokratie am besten „zu unserer Gesellschaft passt“, wie erste Zwischenergebnisse des am Freitag in Saarbrücken vorgestellten „Saarland-Monitors“ ergaben. Allerdings sei nur eine knappe Mehrheit (54 Prozent) mit ihrer derzeitigen Funktionsfähigkeit zufrieden, sagte Projektleiter Jun.

Eine überwiegende Mehrheit der Saarländerinnen und Saarländer (79 Prozent) wünsche sich mehr direktdemokratische Verfahren wie Volksentscheide und Referenden, sagte er weiter. „Die Menschen wollen mehr demokratisch partizipieren, sie wollen mehr beteiligt werden.“ Das sollte die Politik mehr in den Blick nehmen, betonte der Inhaber des Lehrstuhls für „Westliche Regierungssysteme: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland“ an der Universität Trier.

Jun und sein Team stellten zudem fest, dass unter der Decke der allgemeinen Zustimmung zur Demokratie auch antidemokratische Haltungen zu finden seien. „Das finden wir schon seit einigen Jahrzehnten in Deutschland“, sagte der Politikwissenschaftler. Neu aber sei, dass diese antidemokratischen Haltungen stärker politisch instrumentalisiert würden. Während die Menschen im Saarland der Umfrage zufolge mehrheitlich gegen eine Diktatur seien (87 Prozent), befürworte fast die Hälfte (47 Prozent) eine einzige starke Partei und rund ein Drittel (30 Prozent) eine starke Führungspersönlichkeit.

Für den Saarland-Monitor befragte infratest dimap mithilfe von Telefoninterviews von Mitte Juni bis Mitte Juli 1.201 Saarländerinnen und Saarländer. Das Trierer Institut für Demokratie- und Parteienforschung wertet zurzeit die Ergebnisse im Auftrag des saarländischen Landtags aus und will im Herbst 2026 einen Abschlussbericht veröffentlichen.