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Ruck-Schröder: Bei Fusionen muss Profil sichtbar bleiben

Fusionen zwischen evangelischen und katholischen Einrichtungen wie im Fall des Klinikums Lippstadt dürfen nach Worten der westfälischen Präses Adelheid Ruck-Schröder nicht auf Kosten des kirchlichen Profils gehen. Wenn das evangelische Profil am Ende nicht sichtbar werden könne, „dann kann es vielleicht nicht zu einem ökumenischen Krankenhaus kommen, so schmerzhaft das auch sein mag“, sagte Ruck-Schröder in einem Interview im Bielefelder „Westfalen-Blatt“ (Mittwoch). Auch der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz erklärte, die Kirchen müssten es auch aushalten, unterschiedlich zu sein.

Bei der Fusion des Klinikums Lippstadt sei „die katholische Position hier eindeutig sichtbar geworden, die evangelische Position nicht mehr“, sagte die westfälische Präses. „Die Leute wollen wissen, ob es uns ein ökumenisches Krankenhaus wert ist, wenn dafür Schwangerschaftsabbrüche kategorisch ausgeschlossen sind“, sagte Ruck-Schröder.

Bei künftigen Verhandlungen über ein ökumenisches Krankenhaus müsse daher die Unterschiedlichkeit der Profile klar angesprochen werden, sagte Ruck-Schröder. „Bei künftigen Fusionen sollten alle Verantwortlichen, der jeweilige Bischof und ich frühzeitig beraten und kämen dann möglicherweise zu dem Schluss, dass wir an einem bestimmten Punkt nicht ökumenisch sichtbar zusammenarbeiten können.“

Die evangelische Kirche sage Frauen nicht, dass sie abtreiben sollen, unterstrich die Präses. „Wir sehen die Entscheidungssituation und auch die Folgen, die das für alle hat – für die Frau, für den Mann und für das Kind“, sagte die leitende Theologin der westfälischen Kirche. Der Vorgang am Klinikum Lippstadt zeige die Größe und die Schwere des Themas.

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz unterstrich, dass eine Einrichtung in gemeinsamer ökumenischer Trägerschaft nicht „eine beliebige mittlere Profilbreite“ bedeute. Bei einer starken Ökumene müsse es auch ausgehalten werden, an bestimmten Stellen unterschiedlich zu sein. „Wenn ich aber in einem gemeinsamen Träger sein will, dann muss ich auch bedenken, was ich meinem Partner zumuten kann und was ich selbst bereit bin mitzutragen und was nicht“, sagte Bentz. Und wenn ein konkretes Kooperationsprojekt auf Dauer nicht gehe, müssten „die Verantwortlichen auch gucken, wie sie damit umgehen“.

Im Konflikt beim Klinikum Lippstadt habe es eine „sehr instrumentalisierte politische und teilweise polemische Zuspitzung“ gegeben, beklagte Bentz. Das habe „der Sache und den Menschen nicht gutgetan“. Der eigentliche Konflikt sei ein arbeitsrechtlicher gewesen. Daran hätten sich bestimmte politische Dinge angehängt. „Wir müssen Sorge tragen, dass wir als Kirchen auch profilierte Einrichtungen haben können, die eben nicht mit allen über einen Kamm geschoren werden, weil uns das nicht guttut.“

Das „Christliche Krankenhaus“ Lippstadt hatte einem Chefarzt Abtreibungen untersagt. Dagegen klagte der Arzt. Der frühere Arbeitgeber, das evangelische Krankenhaus in Lippstadt, fusionierte mit dem katholischen Dreifaltigkeits-Hospital und dem Marien-Hospital in Erwitte. Seit März firmieren die Kliniken gemeinsam als „Klinikum Lippstadt – Christliches Krankenhaus“. Der Gesellschaftsvertrag untersagt Schwangerschaftsabbrüche und assistierten Suizid.