Goslarer Kaiserring, Orden Pour le Merite, Großes Verdienstkreuz – die aus dem Odenwald stammende Künstlerin Rebecca Horn trägt viele Auszeichnungen. Nun ist ihr eine neue Schau gewidmet. Darin geht es auch um Horror.
Die international renommierte Künstlerin Rebecca Horn (80) steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Münchner Haus der Kunst. Die nach Horn benannte Retrospektive zeigt laut Ankündigung vom Donnerstag eine Übersicht des Lebenswerks der Künstlerin aus sechs Jahrzehnten. Sie läuft vom 25. April bis 13. Oktober. Im Zentrum steht die Performativität, die sich durch Horns gesamtes Schaffen erstreckt, wie es heißt – “von den ersten Papierarbeiten in den 1960er Jahren über die frühen Performances und Filme der 1970er Jahre, die mechanischen Skulpturen der 1980er Jahre und die raumgreifenden Installationen der 1990er Jahre bis heute”.
Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet den Angaben zufolge das neu digitalisierte Filmmaterial von Horns performativem Frühwerk. “Die Künstlerin versteht sich allem voran als Choreografin – und ist zudem Erfinderin, Regisseurin, Autorin, Komponistin und Poetin”, so das Haus der Kunst.
Im Mittelpunkt ihres Werks stünden der Mensch und sein Verhältnis zu Natur, Kultur, Technologie sowie zum Menschlichen und Nichtmenschlichen, heißt es über Horn weiter. “Anfang der 1970er Jahre widmete sie sich der Beherrschbarkeit und Erweiterung des Körpers und nutzte die Symbolfähigkeit der Bewegungen aus der Tanzsprache als Medium und Katalysator ihrer choreografischen Fiktionen. Durch die Idee der Inkorporierung schaffte sie mit ihren mechanischen Skulpturen der 1980er Jahre Sinnbilder technisch körperlicher Vernetzung.”
In den 1990er Jahre habe Horn dann ihre typisch immersiven Rauminstallationen entwickelt, bei denen sie sich der Tanzchoreografie bediene und Musik zerlege und neu inszeniere. Den Abschluss der Ausstellung bilde schließlich Horns Spätwerk, in dem sie ihre künstlerische Grammatik in eine abstrahierte Choreografie voller Poesie und Anmut überführe.
“Virtuos verwebte Referenzen aus Literatur, Kunst- und Filmgeschichte ziehen sich durch Horns gesamtes Werk”, heißt es vom Museum weiter. “Sie zelebriert den Horror der Maschinen als Weiterführung des Körpers, schafft Existenzen des nicht Darstellbaren und verleiht so der Abgründigkeit ein Gesicht.” Ihr Werk sei ein lebenslanges Echo auf die voranschreitende Dezentrierung des Menschen.