Rita Süssmuth war eine Ausnahmeerscheinung. Als Ministerin und Bundestagspräsidentin zeigte sie große Unabhängigkeit. In einem Gottesdienst vor dem Staatsakt erinnerten die Kirchen an die verstorbene Politikerin.
Die Kirchen haben die gestorbene ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gewürdigt. Der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, hob ihren Kampf gegen Aids, ihren Einsatz für Migranten und ihr Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung hervor. Im Anschluss an das Requiem in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, an dem neben ihrer Familie unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner teilnahmen, findet ein Staatsakt für die Politikerin im Bundestag statt.
Requiem erinnert an Ruth Süssmuths Wirken für Frauenrechte
Süssmuth war am 1. Februar im Alter von 88 Jahren gestorben. Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Sie war in den 1970er-Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund. 1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit.

Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Von 1988 bis 1998 war Süssmuth als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin und damit auch erste Parlamentspräsidentin im wiedervereinigten Deutschland. Auch in der katholischen Kirche war sie aktiv.
Jüsten rief dazu auf, dafür zu sorgen, dass "die Früchte von Rita Süssmuth bleiben". Das seien Erfolge für die Gleichberechtigung, für die Stabilität der Demokratie, "ihr Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, ihr Erreichtes in der Familien-, Gesundheits-, Jugend- und Bildungspolitik". Bei der letzten Begegnung habe sie ihm, Jüsten, aufgetragen, für die Demokratie zu kämpfen. "Nehmen wir ihr Erbe an", so Jüsten.
Prominente Gäste beim Requiem in Berlin
An dem Requiem nahmen auch Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD, Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch, teil.
Im Bundestag werden bei dem Staatsakt neben Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und - auf Wunsch der Verstorbenen - der Autor und Journalist Heribert Prantl sprechen.
