Nigeria, der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, wird etwa zur Hälfte von Muslimen und Christen bewohnt. Konflikte sind häufig geworden. Doch sie sind, wie Experten betonen, bei weitem nicht immer religiös motiviert.
Nigeria ist mit nach aktuellen Schätzungen rund 230 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas; Tendenz weiter stark wachsend. Über die Hälfte von ihnen bekennt sich zum Islam; vor allem der Norden ist fast ausschließlich islamisch geprägt. In Nigeria lebt damit eine der größten muslimischen Gemeinschaften Westafrikas. Die meisten hängen der sunnitischen Lehre an; im nordwestlichen Bundesstaat Sokoto erreichen die Schiiten einen beträchtlichen Anteil.
Seit den 1970er Jahren entstanden mehrere radikale islamische Sondergemeinschaften um charismatische Persönlichkeiten, so Darul Islam und die von Mohammed Yusuf gegründete Gruppe Boko Haram. Schon in den 80er Jahren kam es in mehreren Städten zu Gewalt mit religiösem Hintergrund. Zwölf Bundesstaaten im Norden führten 1999 das islamische Recht, die Scharia, ein.
Der Anteil der Christen in Nigeria wird mit 40 bis knapp 50 Prozent angegeben. Die christliche Gemeinschaft nahm in den vergangenen fünf Jahrzehnten stark zu und ist die größte auf dem afrikanischen Kontinent. Katholiken machen etwa ein Drittel aus; sie sind in rund 50 Bistümern organisiert. Andere starke Gruppen bilden protestantische und die anglikanische Kirche.
Mit Blick auf Gewalt, Ausschreitungen und Übergriffe vor allem in den ethnisch und religiös gemischten Zonen Zentralnigerias mahnen Kirchenvertreter und Experten regelmäßig, ethnisch-soziale sowie wirtschaftliche Ursachen nicht mit religiösen zu verwechseln. Gegen den islamistischen Terror im Norden sprechen sich auch die religiösen Führer des gemäßigten Islam aus.