Reformierte Kirche berät wieder Kriegsdienstverweigerer

Der Emder Pastor Bert Gedenk bietet wieder Beratung für Kriegsdienstverweigerer an. Hintergrund ist das neue Wehrdienstgesetz, das viele junge Menschen vor Gewissensfragen stellt.
Reformierte Kirche berät wieder Kriegsdienstverweigerer
Nach dem neuen Wehrdienstgesetz suchen mehr Menschen Rat: Pastor Bert Gedenk begleitet Jugendliche und Soldaten bei Gewissenskonflikten (Symbolbild)
Imago / Markus Matzel

Die Evangelisch-reformierte Kirche bietet mit dem Emder Pastor Bert Gedenk wieder eine Beratung für Kriegsdienstverweigerer an. „Mit dem neuen Wehrdienstgesetz, das seit Januar gilt, werden sich mehr junge Menschen die Frage stellen, ob sie einen Wehrdienst mit der Waffe leisten wollen“, sagte Gedenk in Leer. Die Beratung richte sich auch an aktive Soldatinnen und Soldaten sowie Reservistinnen und Reservisten, die nicht in den Kriegseinsatz wollen. Nach Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes darf in Deutschland niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.

Kritik an Regierung prägt Debatte um neuen Wehrdienst

Die Bundeswehr will auf Grundlage des Wehrdiensterneuerungsgesetzes die Streitkräfte bis 2035 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten aufstocken. Wer 18 Jahre alt wird, erhält seit Jahresbeginn Post von der Bundeswehr mit den Zugangsdaten zu einer Online-Befragung. Männer müssen den Fragebogen beantworten, für Frauen ist es freiwillig. Der Wehrdienst ist nicht abgeschafft, sondern seit 2011 lediglich ausgesetzt.

Neuer Wehrdienst wirft Fragen zu Zivildienst und Ersatzdiensten auf

Gelingt es auf diese Weise nicht, genügend Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen, kann der Bundestag die Wehrpflicht für alle Männer wieder in Kraft setzen. Gedenk hält es für wahrscheinlich, dass dies bald geschehen könnte. Spätestens dann müsse der Bundestag auch klären, ob der Zivildienst oder gleichwertige Ersatzdienste wieder eingeführt werden. „Im Falle eines militärischen Krisen- oder Spannungsfalls in Deutschland können alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren zum Wehrdienst herangezogen werden - es sei denn, sie sind als Kriegsdienstverweigerer anerkannt“, sagte Gedenk.

Bert Gedenk war viele Jahre lang Friedensbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche. Vor seinem Theologiestudium verweigerte er 1981 den Wehrdienst und absolvierte den Zivildienst bei der AWO in Nordhorn. 

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