Recht auf billiges Fleisch? Theologe prangert Umgang mit Tieren an

Die einen werden verwöhnt, die anderen zu Fleisch verarbeitet: Ein Theologe wirft der Menschheit einen zwiespältigen Umgang mit Tieren vor. Er fordert einen Bewusstseinswandel und klare Gesetze.
Recht auf billiges Fleisch? Theologe prangert Umgang mit Tieren an
Theologe und Biologe Rainer Hagencord fordert ein Umdenken im Mensch-Tier-Verhältnis (Symbolbild)
Imago / penofoto

Der katholische Theologe und Biologe Rainer Hagencord fordert ein Umdenken im Verhältnis von Mensch und Tier. "Ein Anthropologe hat mal gesagt, dass es in unserer Kultur nur noch zwei Kategorien von Tieren gibt. Die einen verwöhnen wir mit Haustierfutter und die anderen werden dazu verarbeitet", sagte er im Interview mit dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de.

Das Tierschutzgesetz sorge dafür, dass die sogenannten Nutztiere an das System angepasst würden und nicht das System an die Tiere. "Offenbar haben wir hier das Recht auf möglichst viel billiges Fleisch etabliert", erklärte Hagencord mit Blick auf Praktiken wie das Abschneiden von Schnäbeln und das Verabreichen von Antibiotika an Tiere. Es brauche in allen Feldern der Tierhaltung klarere Gesetze.

Mensch-Tier-Verhältnis in der Bibel: Tiere als Gottespartner

Das Mensch-Tier-Verhältnis ist laut dem Theologen ein zentrales Element christlicher Theologie. Es werde schon auf den ersten Seiten der Bibel reflektiert. Als Beispiel nannte er die Erzählung von der Arche Noah, auf der Tiere und Menschen zusammen vor einer Sintflut gerettet werden. Da sei nicht die Rede von niedlichen und nützlichen Tieren, betonte er. "Die Tiere sind mit uns in einem Boot." Zudem seien sie nach biblischem Verständnis ebenfalls Bündnispartner Gottes.

Auch die Kirchen sieht Hagencord in der Pflicht. Sie hätten über Schulen und Religionsunterricht Einfluss auf die Bildung. Außerdem hätten sie über ihre Kantinen und landwirtschaftliche Flächen große Macht bei der Auswahl von Lebensmitteln.

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