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Raubkunst-Debatte: Offensive an allen Fronten

Interne Ermittlung, externe Aufklärung, eine Reformkommission und ein geschasster Direktor: Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will der bayerische Kunstminister Markus Blume (CSU) Missstände bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen aufklären, die durch eine Debatte um NS-Raubkunst vor wenigen Wochen offenbar wurden. Es gehe dabei nicht nur um die ungeklärte Herkunft (in der Fachsprache: Provenienz) von Gemälden, sondern auch um „persönliches Fehlverhalten und womöglich Organisationsversagen“, sagte der Minister am Dienstag in der Pinakothek der Moderne. Die erste Maßnahme war die Versetzung des bisherigen Direktors Bernhard Maaz ans Zentralinstitut für Kunstgeschichte.

Der personelle Neuanfang sei „aus Sicht fast aller Mitarbeitenden dringend geboten“, sagte Blume. Die Leitung der Sammlungen übernehme ab sofort als Interims-Chef Anton Biebl, der bis vor kurzem Kulturreferent der Landeshauptstadt München war. Biebl schultert die Aufgabe zusätzlich zu seinem eigentlichen neuen Job als „Change Manager“ der bayerischen Museumsoffensive, den er am Dienstag (1. April) angetreten hatte. Ziel der Offensive ist laut Blume, die staatlichen Museen und Sammlungen „aus ihrem Behördendasein“ zu führen.

Der Kunstminister betonte mit Blick auf die Berichterstattung der „Süddeutschen Zeitung“ vom Februar, dass sich der Kernvorwurf von bis zu 200 NS-Raubkunst-Gemälden in den Beständen der Staatssammlungen nach zahlreichen Gesprächen als „nicht richtig“ erwiesen habe. „Rote Markierungen bezeichneten bei der Staatsgemäldesammlung nicht Raubkunst, sondern lediglich Verdachtsfälle.“ Nach neuestem Stand umfasse die fragliche „rote Liste“ auch nur noch 97 Werke. Zur Aufklärung dieser Fälle sei ein „verbindlicher Fahrplan“ bis 2026 vereinbart worden.

Zudem seien in den letzten Wochen 116 Werke mit fragwürdiger Herkunft bei der Lost-Art-Datenbank für NS-Raubkunst gemeldet worden. Die Museen seien angewiesen worden, die Standards des Deutschen Zentrums für Kulturgutverlust (DZK) einzuhalten; der Umstellungsprozess in der Datenbank der Staatsgemäldesammlungen „läuft kontinuierlich weiter“.

Allerdings kritisierte Blume die „innere Verfasstheit der Staatsgemäldesammlung“ als „unzufriedenstellend“. Dabei gehe es auch um Vorwürfe, die mit der Raubkunst-Debatte gar nichts zu tun hätten. Sein Ministerium habe deshalb eine interne Untersuchung veranlasst, die von einer dafür beauftragten ehemaligen Staatsanwältin geleitet werde. Ob ein Teil der Vorwürfe strafrechtliche Relevanz habe, wollte der Politiker zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Für die externe Aufklärung sei Meike Hopp, Professorin für digitale Provenienzforschung, gewonnen worden. Sie werde mit einem kleinen Team bis zum Sommer untersuchen, inwieweit die Praxis der Gemäldesammlung von den DZK-Standards abweiche. Außerdem werde eine Reformkommission unter der Leitung des Wirtschaftsprüfers Rolf Nonnenmacher und des Sammlers und Vorstands der Stiftung Kulturzukunft, Markus Michalke, moderne Organisationsstrukturen für die 18 staatlichen Kunstmuseen in Bayern entwerfen.

Der Kunstminister betonte, dass sich alle staatlichen Museen Bayerns kritisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen müssten, denn sie seien Aushängeschilder für den Freistaat. „An ihrer Integrität darf es keinen Zweifel geben“, betonte Blume. Mit den nun beschlossenen Maßnahmen wolle man „eine neue Ära der Wiedergutmachung einläuten“, die Museumslandschaft insgesamt modernisieren und verloren gegangenes internationales Ansehen wiederherstellen. Für diesen Prozess, sagte Blume, erbitte er „eine ehrliche Chance“. (1137/02.04.2025)