Rassismus gegen Kinder afroamerikanischer Soldaten

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland etliche Kinder geboren, deren Väter US-Soldaten sind. Viele von ihnen lernten ihre Väter nie kennen. Kinder afroamerikanischer Soldaten waren zudem von Rassismus betroffen. Die Deutsch-Amerikanerin Jennifer Battenfeld vom Verein „GI Babies Germany“ weiß, wie es ihnen geht, und hilft als „Search Angel“, die Väter zu finden.

epd: Mutter Deutsche, Vater afroamerikanischer Soldat: Wie ging es den Kindern?

Jennifer Battenfeld: Zusätzlich zu ihrem Schicksal, ein GI-Baby zu sein, machten diese Kinder auch noch Rassismuserfahrungen. Die US-Armee hat solche Beziehungen bis Anfang der 1970er Jahre nicht akzeptiert. Wenn bekannt wurde, dass ein Soldat eine Beziehung mit einer Deutschen hatte und sie schwanger wurde, wurde der Soldat sofort versetzt. Entspannt hat sich das erst in den 1980ern.

epd: Wie ging die hiesige Gesellschaft mit den Müttern und Kindern um?

Battenfeld: Die Erfahrung, dass die Mutter als „Hure“ beschimpft wurde, wurde durchgängig gemacht - auch noch in den 1970ern. Viel Aufmerksamkeit gilt ja den sogenannten „Brown Babies“ der unmittelbaren Nachkriegszeit, zum Beispiel durch Aktionen wie Adoptionen in die USA, als diese Kinder in Deutschland unerwünscht waren. Viele von ihnen wurden als „Bastard“ bezeichnet - das hörte man als Kind sogar auf der Straße. Viele wurden aus ihren Familien herausgerissen, besonders in den 1950er und 1960er Jahren. Es gab spezielle Heime für unverheiratete Mütter, vor allem in Baden-Württemberg und Hessen. Dort wurden die Kinder dann zur Adoption freigegeben oder blieben im Heim, oft mit unangenehmen Erfahrungen.

epd: Die Kinder wurden den Müttern also weggenommen und zur Adoption freigegeben?

Battenfeld: Das war tatsächlich bis Ende der 1970er Jahre so. Mütter unehelicher Kinder hatten kein alleiniges Sorgerecht - die Hälfte lag beim Jugendamt. Wenn die Mütter als ungeeignet galten - und gerade in den Jugendämtern waren viele Beamte weiterhin dieselben wie zu Nazi-Zeiten -, dann war das Schicksal meist besiegelt. Für diese Leute war es das Kind eines Feindes. Doch manche deutsche Frauen gingen mit Amerikanern aus, weil viele deutsche Männer sehr verbittert und vom Krieg gezeichnet waren. Bei ihnen hatten die Amerikaner ein positives Image - wegen der Care-Pakete, der Schokolade, des Kaugummis. Umgekehrt hatten nicht-weiße GIs in Deutschland zum ersten Mal die Möglichkeit, mit weißen Frauen auszugehen - eine Freiheit, die es zu Hause wegen der Rassentrennung nicht gab.

epd: Viele Kinder von US-Soldaten wollen gleichwohl nicht mehr über ihre Herkunft sprechen. Warum?

Battenfeld: Der Grund ist vor allem Scham. Viele, die zu uns in den Verein kommen, möchten nicht erkannt werden - sie waren vielleicht adoptiert und leben inkognito. Es ist ihnen unangenehm, dass sie einen amerikanischen Vater haben. Ich kenne das selbst: Mein Mann weiß ganz genau, woher seine Familie kommt - sie lebt im gleichen Haus seit Generationen. Mein eigener Stammbaum ist dagegen wild verwachsen und nicht geradlinig, mein leiblicher Vater gehört zu den Blackfeet, also den First Nations in den USA, ich bin Jahrgang 1977, kenne meinen Vater nicht, habe keinen Kontakt, bin viel umgezogen, habe keine wirklichen Wurzeln. Aber es gibt ja auch heute noch Kinder von Soldaten - die US-Armee ist immer noch präsent. Heute ist es leichter, den Vater ausfindig zu machen, und die Armee hilft auch bei Unterhaltsfragen, anders als früher. Mein eigener Vater hat nie einen Cent bezahlt.

epd: Wie war die Beziehung Ihrer Eltern?

Battenfeld: Sie waren zwei Jahre zusammen und verlobt. Er hat aber verschwiegen, dass er in den USA verheiratet war. Als er nach seinem Einsatz ging, versprach er, erst ein Haus zu suchen und sie nachzuholen. Als meine Mutter nichts mehr von ihm hörte, rief sie an - und seine Frau meldete sich.

epd: Das muss sehr schmerzhaft gewesen sein.

Battenfeld: Das war es. Ich hatte aber das Glück, in beiden Kulturen groß zu werden: Meine Mutter heiratete, als ich fünf oder sechs war, einen anderen Amerikaner, der in Deutschland stationiert war, und der adoptierte mich. Ich wurde zweisprachig erzogen und ging auf eine amerikanische Schule - so konnte ich auch die Suche nach meinem Vater aufnehmen. Aber jede Suche heute reißt meine eigenen Wunden auf. Diese emotionale Achterbahnfahrt, die muss ich halt leider fahren.

epd: Was machen Sie als „Search Angel“ konkret?

Battenfeld: Wir benötigen immer mindestens einen Namen, einen Ort und ein Datum. Wir können in Kirchenbücher gucken. Ganz oft ist es so, dass bei der Taufe der Pfarrer irgendwas vermerkt hat. Wenn eine Adoption stattgefunden hat, bekommt man Informationen vom zuständigen Amtsgericht. Früher konnten wir einen Auszug aus den Militärakten anfordern und bekamen so Geburtsdaten, Stationierungsorte und andere Details. Bis zur Trump-Ära konnte ich 95 Prozent der Väter finden, wenn genügend Informationen vorhanden waren. Seit der Trump-Regierung ist die Suche schwieriger geworden, weil viele Verwaltungsstellen Personal verloren haben und die Militärarchive schwerer zugänglich sind. Aber nur etwa eine von 100 Suchen führt am Ende zu einem echten Kontakt.

epd: Warum so wenige?

Battenfeld: 95 Prozent der Väter lassen sich identifizieren, aber dass es wirklich zu einer Beziehung kommt, ist die große Ausnahme. Manchmal läuft es ganz positiv, wie bei der Buchautorin Ingrid R. Gade, 1946 geborenes Kind einer deutschen Mutter und eines Afroamerikaners, die ihren Vater gefunden hat und von dessen Familie herzlich aufgenommen wurde. Aber das ist selten. Viele überschätzen, was ein Kennenlernen wirklich bedeutet - oft bleibt es ein fremder Mensch.

epd: Es fehlt ja die gemeinsame Familiengeschichte.

Battenfeld: Richtig. Gerade wenn der Vater eine eigene Familie in den USA hatte, wird das oft schwierig. Manchmal klappt eine Beziehung eher mit Halbgeschwistern.

epd: Begleiten Sie die Suchenden psychosozial?

Battenfeld: Fast alle Search Angels sind selbst betroffen. Nur so kann man wirklich mitfühlen, was andere erleben. Die Scham, die viele Ältere empfinden - das kann ich nachvollziehen. Oder die Mütter sind schon tot, haben nie über den Vater gesprochen, oder es war eine Vergewaltigung. Mir ist wichtig, dass man anerkennt, dass Mutter- und Vaterrolle im Leben eines Menschen nur einmal zu vergeben sind. Auch wenn man in einer Pflegefamilie oder bei Adoptiveltern aufwächst - die Frage nach den eigenen Wurzeln stellt sich immer wieder, etwa an Weihnachten oder wenn man selbst ein Kind bekommt, unabhängig davon, was man sonst erreicht hat. Wenn die Möglichkeit fehlt, die Frage nach dem „Woher“ zu beantworten, bleibt eine Wunde zurück. (0508/19.02.2026)

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