Am 18. Februar begannen der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit. In diesem Jahr zur selben Zeit. Das kommt nur gut alle 30 Jahre vor. Ein Wink des Kalenders? Ja, eine Chance, um bewusst wahrzunehmen, was uns verbindet.
Vom Erscheinen der Mondsichel bis zu ihrer Wiederkehr fasten Muslime im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wegen des kürzeren Mondjahres mit 354 Tagen verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um elf Tage nach vorn. Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islam, den wichtigsten Regeln für Muslime. Sie verzichten strikt auf Essen, Getränke, Rauchen, Sexualität. Evangelische Christinnen und Christen sind weniger streng dabei. Wer will, verzichtet von sich aus auf Dinge, ohne die er oder sie nicht gut kann. Genuss, Alkohol, Autos. Aber wozu?
Sich von Genuss frei zu machen, der das Denken einnimmt, mitunter einnebelt, öffnet einen Raum für Neues. Für die Frage: Lebe ich so, wie es Gott gefällt? Spiritueller Sinn ist es, Gott näher zu kommen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. „Manche bedauern mich, weil ich nichts essen kann, sagt ein Muslim im Fernsehen. „Dabei freue ich mich auf diese Zeit. Ich bin dann menschlicher, konzentrierter, friedlicher.“ Auch Mose fastete vor dem Empfang der Gesetzestafeln, Mohammed vor dem Erhalt des Koran im Ramadan und Christus in der Wüste als Vorbereitung auf seine Mission.
Ramadan: Muslime essen nach Sonnenuntergang
Nach Sonnenuntergang essen Muslime, was die Tische hergeben. Arme werden eingeladen. Alle, auch Nichtmuslime, sind willkommen. Manche Moscheen decken lange Tafeln, andere bieten Dialoggespräche an. Auch Kirchen laden Religionen zum Fastenbrechen ein. Seit Jahren ist das ein Brauch in der Osterkirche in Berlin-Wedding. „Ein Tisch für alle“ heißt es am 28. Februar wieder. Austausch, was Fasten bedeutet. Gebet. Und dann Sturm aufs Buffet. Alles ganz in Frieden.
