Das Skelett des legendären deutschen Räubers Johannes Bückler, besser bekannt als „Schinderhannes“, wurde gut 220 Jahre nach seiner Hinrichtung eindeutig identifiziert. Einem internationalen Forschungsteam sei es mit modernsten Analyseverfahren gelungen, eine Verwechslung im Anatomischen Institut der Universität Heidelberg zu belegen, teilte die Universität am Montag in Heidelberg mit. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Forensic Science International: Genetics“ veröffentlicht.
Die Räuber „Schinderhannes“ und „Schwarzer Jonas“ wurden 1803 in Mainz durch das Fallbeil hingerichtet, gemeinsam mit 18 weiteren Verurteilten. 1805 habe der erste Lehrstuhlinhaber der Anatomie der Universität Heidelberg, Jacob Fidelis Ackermann, die beiden Skelette in sein Institut gebracht. Dort seien offenbar zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Sammlungsnummern – und damit die Zuordnung der Skelette – verwechselt worden.
Das Forschungsteam unter Federführung von Sara Doll, der Kuratorin der Anatomischen Sammlung, und dem Innsbrucker Professor Walther Parson habe durch die Kombination verschiedener Analysemethoden gezeigt: Das vermeintliche Skelett des „Schwarzen Jonas“ gehörte eindeutig dem „Schinderhannes“. Das gelte aber nicht umgekehrt: Das angebliche Skelett des „Schinderhannes“ sei nicht das des „Schwarzen Jonas“. Dessen tatsächliches Skelett sei verloren gegangen.
An der Studie waren Forscher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden, Portugal und den USA beteiligt. Mit einer Isotopenanalyse stellten sie fest, wo die beiden Personen mutmaßlich ihre Kindheit und späteren Lebensjahre verbracht haben. Weitere chemische Analysen und radiologische Bildgebungsverfahren lieferten Informationen zum vermuteten Alter, Geschlecht und möglichen Erkrankungen. Die Analyse der mitochondrialen DNA, die sich zur Bestimmung von Abstammungsverhältnissen eigne, bestätigte die Verwechslung. Eine Analyse der DNA aus Zellkernen der Skelettknochen habe schließlich eindeutig die Verwandtschaftsverhältnisse über fünf Generationen gezeigt.
Zum Aussehen von „Schinderhannes“ gebe es nur wenige, teils widersprüchliche zeitgenössische Beschreibungen. Auch das sei jetzt geklärt: Genetische Analysen deuteten darauf hin, dass „Schinderhannes“ braune Augen, dunkle Haare und einen eher blassen Hautton hatte. Das echte Skelett des „Schinderhannes“ wurde inzwischen aus der Dauerausstellung entfernt, Besucher sehen dort aber montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr eine künstlerisch gestaltete Replik. (0658/24.03.2025)