Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik ist tot. Er sei am Montag nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren gestorben, heißt es in einem in der „Jüdischen Allgemeinen“ (Dienstag) veröffentlichten Nachruf des Historikers Julius H. Schoeps. Brumlik wurde 1947 im schweizerischen Davos geboren. Er war von 2000 bis 2005 Direktor des Fritz Bauer Instituts und von 2000 bis 2013 Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und seit 2013 Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg.
Brumlik war Sohn jüdischer Eltern, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. In vielen öffentlichen Debatten hatte er sich zu Wort gemeldet. Er engagierte sich bei den Grünen und war Stadtverordneter in Frankfurt am Main. Er gehört zu den Unterzeichnern der Ende März veröffentlichten „Jerusalemer Erklärung“, in der mehr als 200 internationale Holocaustforscherinnen und -forscher eine neue Definition von Antisemitismus fordern. Brumlik war Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille.
Er gehöre einer Generation von jüdischen Nachgeborenen an, „die im Exil der Eltern das Licht der Welt erblickt hatten, aber nach der Rückkehr der Eltern in der alten Bundesrepublik aufgewachsen sind“, so Schoeps: „Micha Brumlik war dogmatisch nicht festgelegt, sondern stets bemüht, die Argumente des anderen ernst zu nehmen, auch wenn er gegenteiliger Ansicht war.“ Er habe sich dem Gespräch mit politisch Andersdenkenden nicht verweigert. Schoeps ist Politikwissenschaftler und Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam.