Vom "People Pleasing" hört man neuerdings ständig. Menschen, die sich besonders gefällig verhalten, gab es laut einer Psychologin allerdings schon immer. Sie erklärt auch, wie sich dieses Verhalten verändern lässt.
Sich entschuldigen, wenn man angerempelt wird oder schweigen zu einem Witz unter der Gürtellinie: Das sind typische Verhaltensweisen von sogenannten People Pleasern. "Es gibt gute Gründe, dieses Verhalten zu hinterfragen und zu verändern", sagte die Psychologin Mona Lanz bei einer Online-Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch. Um eine psychische Erkrankung handle es sich allerdings nicht.
Der Fachbegriff für Menschen, die es allen recht machen wollen, sei "überangepasst", sagte Lanz bei der Veranstaltung mit dem Titel "It's okay not to be okay - Wie ich lerne, auf meine Bedürfnisse zu hören". Dieses Verhalten entstehe zumeist aus einer tiefsitzenden Angst vor Ablehnung.
Viele Betroffene unterdrückten Gefühle wie Frust oder Ärger "wie einen luftgefüllten Ball, den man unter die Wasseroberfläche drückt", erklärte Lanz. Das sei möglich, aber nicht auf Dauer. Da es vielen "People Pleasern" zudem schwerfalle, auf eigene Bedürfnisse zu achten und den eigenen Standpunkt zu vertreten, hätten sie ein erhöhtes Risiko für Depressionen.
Die Forschung habe gezeigt, dass Frauen häufiger betroffen seien als Männer, fügte die Beraterin hinzu. Dies hänge auch mit gesellschaftlichen Erwartungen an die weibliche Rolle zusammen. Darüber hinaus verstärke Stress häufig diese Verhaltenstendenz: Wer etwa in einem neuen Job verstärkt auf die Reaktion anderer achte und Kritik um jeden Preis vermeiden wolle, könne jedoch schnell in eine Abwärtsspirale geraten.
Wichtig sei eine Balance zwischen eigenen Grenzen und Hilfsbereitschaft. "People Pleaser" müssten zunächst wieder lernen, eigene Bedürfnisse zu erkennen, sagte Lanz. Hilfreich sei dafür ein regelmäßiger Kontakt mit sich selbst: Schon in "Zwangspausen" im Stau oder an der Supermarktkasse könne man sich fragen, wie es einem gehe und was man gerade brauche - ohne dies zu bewerten.
Die Expertin riet zudem zu kleinen Alltagsübungen für das Neinsagen: etwa bewusst abzusagen, wenn eine Verabredung eigentlich nicht passe, oder im Supermarkt niemanden vorzulassen, wenn man es selbst eilig habe. Ein "automatisiertes Pflichtgefühl" gelte es zu hinterfragen: Wer etwa das Gefühl habe, noch einen Kuchen für die Feier einer Kollegin backen zu "müssen", obwohl ihm dies widerstrebe, könne andere Lösungen wie einen gekauften Kuchen erwägen.