Für Eltern ist es nach Worten der Psychologin Sophie Lauenroth wichtig, immer wieder die Sichtweise ihrer Kinder einzunehmen. "Als Erwachsene neigen wir dazu, alles aus Erwachsenen-Augen zu betrachten", sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). So gerate man in Gefahr, die Ängste und Nöte von Kindern nicht ernst genug zu nehmen.
Viele Menschen hätten im frühen Lebensalter bestimmte Situationen erlebt, die in gewisser Weise traumatisch waren, erklärte die Expertin. "Ein Beispiel: Ein Kind bekommt von den Eltern nicht die Hilfe, die es sich wünscht, und wendet sich schließlich nicht mehr an Mutter oder Vater." Daraus müsse keine Traumafolgestörung entstehen, und nicht jede schwierige Erfahrung sei traumatisch. "Wichtig ist aber, Verständnis für die Perspektive von Kindern zu entwickeln."
Hilfreich könne es in diesem Zusammenhang sein, sich an die eigene Kindheit zu erinnern und daran, wie man sich selbst in manchen Momenten gefühlt habe. Auch ein Gespräch mit den eigenen Eltern könne weiterführen. "Dabei geht es nicht um Vorwürfe", betonte Lauenroth. "Man kann sogar dazusagen: 'Ich weiß, ihr habt im besten Wissen gehandelt.'" Wenn die Eltern ihr früheres Handeln reflektierten, könne das die Bindung stärken.
Lauenroths Buch "Du darfst heilen" erscheint am Mittwoch. Als @psychologin_sophie ist die Autorin auf Instagram und TikTok erfolgreich. Die Aufklärung über psychische Gesundheit auf diesen Kanälen finde sie sehr wichtig: "Ich bin froh, dass darüber mehr und mehr Menschen sprechen." Als sie mit ihren Videos angefangen habe, hätten sich auf Social Media noch alle "perfekt, wunderschön und reich" präsentiert. "Dabei muss sich niemand für psychische Probleme schämen."
Zu Vorsicht riet die Expertin, wenn auf den Plattformen mit Heilsversprechen geworben werde. "Es ist nicht seriös, wenn jemand sagt: 'Ich heile deine Ängste oder Traumata'. Psychologen geben eher an, dass sie jemandem helfen, mit den eigenen Problemen fertigzuwerden." Sinnvoll sei es zudem, bei entsprechenden Angeboten zu prüfen, welche Ausbildung, welches Studium oder welche Zertifikate jemand habe.