Seit Jahren wird viel über Prokrastination gesprochen, also über das Aufschieben von Aufgaben, mit denen man sich schwertut. Ob Seminararbeit oder Steuererklärung – eine Expertin hat Tipps, wie man es doch angehen kann.
Das Aufschieben einer Aufgabe ist oft ein Zeichen für Angst oder Überforderung: Darauf weist die Psychologieprofessorin Regina Vollmeyer hin. “Wenn man zum Beispiel nicht weiß, wie man für eine wichtige Prüfung lernen soll, beginnt man möglicherweise zu prokrastinieren”, sagte sie im Interview der Zeitschrift “Psychologie Heute” (Mai-Ausgabe). Manche Menschen fürchteten Misserfolge, noch bevor sie eine Aufgabe angingen.
Um eine schwierige Aufgabe anzugehen, könne es helfen, sie in “kleine, machbare Portionen einzuteilen”, riet Vollmeyer. Auch die Rahmenbedingungen spielten eine Rolle, zum Beispiel ein selbstgewähltes Zeitfenster: “Wenn man die Fenster in einer bestimmten Zeit und besonders gründlich reinigen möchte, kann man sehr konzentriert bei der Sache sein.” Entscheidend sei nicht, dass die Aufgabe als solche Spaß mache – so vergäßen die Beteiligten auch bei Prüfungen mitunter die Zeit, weil sie so konzentriert seien.
Um in einen sogenannten Flow zu kommen, sei eine gewisse Risikobereitschaft hilfreich. Zudem brauche es dafür volle Konzentration: “Es klappt nicht, wenn man ständig abgelenkt ist, das Telefon klingelt oder Mails aufploppen”, sagte die Forscherin. “Deshalb sollte man Ablenkung reduzieren und sich auf das konzentrieren, was wichtig ist.”
In einer Tätigkeit ganz aufzugehen, vertieft und zugleich konzentriert zu sein – so beschreibt die Positive Psychologe das, was Menschen mit dem Satz meinen: “Ich war richtig im Flow”. Eine Tätigkeit, bei der dies geschehe, müsse einem liegen, sagte Vollmeyer. “Und man muss dabei leicht herausgefordert sein.” Das sei zum Beispiel der Fall, wenn der Tennispartner etwas besser spiele als man selbst.
Besonders häufig erleben jene Menschen Flow-Momente, die sich selbst gut einschätzen könnten. Welche Tätigkeit einem liegt, hängt nämlich laut der Expertin von den eigenen Neigungen ab: “Leistungsmotivierte Menschen blühen in Situation auf, in denen sie ihr Bestes geben können. Andere sind eher machtmotiviert und freuen sich, wenn sie jemanden überzeugen können. Anschlussmotivierte genießen wiederum Situationen, in denen sie mit anderen in Kontakt kommen.”