Mit einem Protestbrief wollen die Vorstände zweier ländlicher Kirchengemeinden aus dem Kreis Wolfenbüttel die Reformpläne der evangelischen braunschweigischen Landeskirche kippen. Die Kirchenparlamentarier der Synode werden in dem Schreiben, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, aufgefordert, den Beschluss „Eckpunkte zur Strukturreform“ auszusetzen und seine Umsetzung vorläufig zu stoppen.
Im vergangenen November hatte die Synode als gesetzgebendes Organ der Kirche den Beschluss auf den Weg gebracht, der unter anderem vorsieht, die Zahl der Propsteien bis 2030 von elf auf vier zu verringern. Diese könnten dann jeweils aus bis zu vier großen Regionalkirchengemeinden mit mindestens 10.000 Gemeindemitgliedern bestehen. Statt der aktuell noch weit über 200 Ortsgemeinden gäbe es künftig sogenannte „Kirchliche Ortsausschüsse“, die die kirchliche Arbeit in den jeweiligen Ortschaften unterstützen sollen.
Die Vorstände der Gemeinden Dahlum und Börßum sehen darin „eine sinnlose Zerstörung von Strukturen, die an vielen Orten unserer Landeskirche noch funktionieren“, sagte der Dahlumer Pfarrer Axel Bothe dem epd. Der Ende Januar an alle Synodalen versendete Brief habe bereits viel positiven Zuspruch auch aus anderen Kirchengemeinden erhalten. „Er soll noch einmal aufrütteln, weil viele Veränderungen schon sehr schnell kommen könnten“, betonte Bothe. Erste nicht mehr umkehrbare Veränderungen könnten bereits Anfang 2027 abgeschlossen sein.
Kirchensprecher Michael Strauß verwies darauf, dass sich die neu gewählte Synode erst am Wochenende (6. und 7. Februar) konstituiere – also unter anderem ein Präsidium wähle und Ausschüsse besetze. Die erste reguläre Arbeitssitzung des Kirchenparlaments sei für Anfang Mai angesetzt. Es bleibe abzuwarten, ob sich dann an der Beschlusslage durch den Brief etwas ändere. „Unabhängig davon gibt es Beschlüsse, an die sich die Kirchenregierung und das Landeskirchenamt rechtlich bindend halten müssen.“