Im November hat ein Projekt in Hessen begonnen, Schülerinnen und Schüler mit Juden, Muslimen und Christen gemeinsam ins Gespräch zu bringen. „Als Türöffner für gegenseitiges Verständnis brauchen wir authentische Informationen über die Religionen“, sagte der Koordinator, der Referent für interreligiösen Dialog am evangelischen Zentrum Oekumene in Frankfurt, Andreas Goetze, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Projekt „meet2respect“ wirke Vorurteilen und Gewalt entgegen und fördere Toleranz. Den ersten Einsatz in Hessen habe es mit einem Workshop-Tag im Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel mit rund 40 Elftklässlern gegeben.
Gerade seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg in Gaza gebe es an Schulen viele Fragen zum Judentum und Islam, sagte Goetze. Die Teams vermittelten Informationen über das Leben von Juden und Muslimen aus erster Hand und gäben ein Beispiel für ein verständnisvolles Miteinander. Die Referenten machten klar, dass Radikale die Religionen in politischen Konflikten missbrauchten. Das Projekt biete seit diesem Monat auch Fortbildungen für Lehrkräfte an, ergänzte der Pfarrer. Das hessische Kultusministerium fördere das Projekt für drei Jahre.
„Meet2respect“ ist nach Goetzes Angaben von Rabbiner Daniel Alter 2013 in Berlin gegründet worden. Anlass war ein Angriff auf ihn von mutmaßlich muslimischen Jugendlichen. Gemeinsam mit dem Imam Ender Cetin entwickelte Alter die Idee von Touren mit jüdisch-muslimischen Fahrradtandems, um Verständnis für ein friedliches Miteinander zu wecken. Daraus erwuchs das interreligiöse Projekt für Schulen.
Für die interreligiösen Teams in Hessen stehen nach den Worten von Goetze derzeit acht muslimische, sechs jüdische und vier christliche Geistliche und Lehrkräfte bereit. Anfragen von Schulen noch für dieses Jahr gebe es aus Treysa, Büdingen, Hanau und Rödermark. Für nächstes Jahr lägen schon drei weitere Anfragen vor. Auch Einladungen in Jugendzentren oder Einrichtungen der Jugendhilfe seien möglich, sagte der Pfarrer. Die Teams bieten pädagogische Einheiten von zwei oder vier Schulstunden oder ein Tagesseminar an.
Ein in Hessen gegründeter Beirat solle das Projekt in den Religionsgemeinschaften verankern und mit dem Kultusministerium verbinden, sagte der Initiator Goetze. Die Gießener Professorin für Islamische Theologie, Naime Cakir-Mattner, biete Fachberatung an. „Ein respektvoller Umgang ist möglich“, gab Goetze als Erfahrung wieder. „Die gemeinsame Beschäftigung mit Religionen schafft Raum für Wertschätzung.“