Bei der Präsidentschaftswahl in Indonesien zeichnet sich laut Prognosen ein klarer Sieg des bisherigen Verteidigungsministers Prabowo Subianto ab. Befragungen von Bürgern ausgewählter Wahllokale nach der Stimmabgabe durch Meinungsforschungsinstitute sahen am Mittwoch Prabowo und seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft Gibran Rakabuming Raka bei 55 bis 60 Prozent. Sollte das erst in einigen Tagen erwartete vorläufige amtliche Ergebnis die Umfragen bestätigen, müsste sich Prabowo nicht im Juni einer Stichwahl stellen. Prabowos Gegenkandidaten Anies Baswedan und Ganjar Pranowo kamen laut den Umfragen auf 24 beziehungsweise 16,6 Prozent.
Die Wahl war überschattet von dem Vorwurf der Wahlmanipulation durch den amtierenden Präsidenten Joko Widodo, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte. Widodo hatte mit Hilfe seines Schwagers und Vorsitzenden des Verfassungsgerichts durchgesetzt, dass sein Sohn Gibran als Prabowos Vizekandidat ins Rennen gehen durfte, obwohl der 36-Jährige nicht das vorgeschriebene Mindestalter von 40 Jahren erreicht. Das Verfassungsgericht argumentierte, Gibrans Amtszeit als Bürgermeister der mittelgroßen Stadt Solo qualifiziere ihn für die Kandidatur.
Der 72-jährige Prabowo war bei den Wahlen 2014 und 2019 Widodo unterlegen. 2019 hatte er sich mit islamistischen Kräften verbündet, die die Gründung eines Kalifats anstreben. Zuletzt gab sich Prabowo als Garant der Demokratie im mehrheitlich islamischen Indonesien aus. Anders als in früheren Wahlkämpfen spielte diesmal keiner der Kandidaten die religiöse Karte.
Prabowo ist eine kontroverse Persönlichkeit. Als Schwiegersohn des 1998 gestürzten Diktators Suharto und Kommandeur einer militärischen Sondereinheit gilt er als verantwortlich für die letztlich vergebliche gewaltsame Niederschlagung von Studentenprotesten gegen Suharto. Prabowos mutmaßliche Menschenrechtsverstöße, auch bei der blutigen Niederschlagung der Unabhängigkeitsbewegung in Osttimor, führten zu einem Einreiseverbot in die USA. Als einziger Kandidat ließ Prabowo in diesem Jahr einen Menschenrechts-Fragebogen der Organisation Human Rights Watch unbeantwortet.
Mehr als 200 Millionen Indonesier waren zur Wahl im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Erde aufgerufen. Zugleich stimmten sie über ein neues Parlament sowie die Zusammensetzung von Regional-, Bezirks- und Kommunalvertretungen ab.