Der Politikwissenschaftler Philipp Adorf sieht Medien verstärkt in der Pflicht, den sogenannten Trumpismus einzuordnen. „US-Präsident Donald Trump ist eine außergewöhnliche Figur, die alle Konventionen sprengt, sie eignet sich dazu, sich auf sie zu fokussieren“, sagte Adorf dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bonn. „Medien sollten das aber nicht übertreiben.“ Stattdessen müssten sie detaillierter darauf eingehen, was der sogenannte Trumpismus bedeutet.
Mit Trumpismus ist ein US-amerikanisches Phänomen gemeint – Konservatismus, neoliberaler Kapitalismus und weißer Nationalismus -, das sich in abgewandelter Form auch in anderen Ländern zeigt, wie zum Beispiel in Brasilien mit Jair Bolsonaro, in Indien mit dem Hindu-Nationalismus oder mit der AfD in Deutschland.
Der Trumpismus sei eine fortgeschrittene politische Entwicklung innerhalb der Republikanischen Partei, sagte Adorf. Diese sei geprägt durch eine durchweg ressentimentgeladene Rhetorik. Adorf lehrt an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zur Republikanischen Partei und ihrem Verhältnis zu Medien.
Der Begriff „Populist“, den Medien oft im Zusammenhang mit dem US-Präsidenten nutzten, passe ganz gut auf Trump. „Er nutzt klar die Spaltung Volk gegen Elite und die klassischen Medien sind aus seiner Perspektive zweifelsfrei Teil der Elite.“ Deswegen kommuniziere Trump auch so gerne direkt mit den Wählern über soziale und eben nicht über klassische Medien, die wie ein Filter fungierten.
Des Weiteren gebe es durchaus Parallelen zwischen Trump und der AfD in Deutschland. Beide artikulierten ähnliche Positionen.
Lange sei die AfD vergleichsweise wenig eingeladen worden in Talkshows, mit dem Argument, man würde der Partei eine Plattform bieten. Die Wirkweise von sozialen Netzwerken spiele Rechtspopulisten in die Hände: Dort werde nichts eingeordnet; dort könne man seine Meinung direkt und kommentarlos kundtun und sie lückenlos ins eigene rechtspopulistische Narrativ einbauen. „Die Inhalte finden also ohnehin Reichweite und die Öffentlichkeit. Das ist durchaus ein Bedeutungsverlust für Medien.“
Adorf plädierte dafür, die AfD gerade deswegen einzuladen. „So hat man eben die Möglichkeit, Paroli zu bieten.“ Dies könne potenzielle Wähler vielleicht doch noch abbringen, die Partei zu wählen. „Weil die Partei trotz vergleichsweise lange geringer medialer Aufmerksamkeit aufgestiegen ist, ist es Zeit, den medialen Kurs zu ändern.“