Überraschende Wendung in Sachen Nazarethkirche: Der katholische Pfarrer von St. Maximilian, Rainer Maria Schießler, mietet mit seiner Gemeinde vorübergehend das evangelische Gotteshaus in München-Bogenhausen an. Ab 1. Advent fänden dort die Sonntagsgottesdienste der katholischen Gemeinde statt, weil St. Maximilian noch etwa ein Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sei, erklärte Kirchenpfleger Stephan Alof auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts (epd). Im Dekanat ist man erfreut: Es sei „ein schönes Zeichen ökumenischer Verbundenheit, dass die Gemeinde mit ihrem Pfarrer Rainer Maria Schießler in der Nazarethkirche vorübergehend Heimat findet“, erklärte Stadtdekan Bernhard Liess.
Die Zwischennutzung gelte vorerst bis Ende Juni 2026 und sei möglich, weil sich die Verhandlungen zum Verkauf der denkmalgeschützten Nazarethkirche verzögerten, wie das Dekanat mitteilte. Der ursprüngliche Plan, die Kirche an eine orthodoxe Gemeinde zu übergeben, bleibe aber bestehen.
Kirchenpfleger Alof sagte, er habe über Medienberichte von der leerstehenden Kirche erfahren. „Ich habe einfach mal angerufen und bin auf offene Ohren gestoßen“, berichtete er. Zu den Gottesdiensten in St. Maximilian kämen regelmäßig zwischen 400 und 500 Personen „von überall her“. Dass die Nazarethkirche nicht in direkter Nachbarschaft von St. Maximilian liege, spiele deshalb keine Rolle. Explizit lud der Katholik auch die Protestanten in Bogenhausen ein: „Unsere Gemeinde steht für offene Türen, wir unterscheiden schon lange nicht mehr nach Konfessionen.“
Pfarrer Rainer Maria Schießler hat in den vergangenen 20 Jahren mit unkonventionellen Aktionen bayernweite Bekanntheit erreicht. So arbeitete der Priester mehrere Jahre beim Oktoberfest als Wiesn-Bedienung, schrieb Bücher zur Zukunft der Kirche und produzierte Podcasts und Talksendungen. 2023 wurde er mit dem Bayerischen Verfassungsorden ausgezeichnet. (3690/22.11.2025)