Die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Freitag in Speyer nach kontroverser Debatte mehrheitlich einen Gesetzentwurf für eine Änderung der Kirchenverfassung für tiefgreifende Strukturreformen beschlossen. Ein Begleitgesetz sieht eine Änderung des Körperschaftsstatus der Kirchengemeinden vor.
Am Freitagnachmittag berät das „Kirchenparlament“ zudem über Gesetzentwürfe zur deutlichen Reduktion der Zahl der Kirchenbezirke und am Samstag über Gesetzentwürfe für eine gemeinsame Kirchenverwaltung und einen gemeinsamen Kita-Träger. Die Reformen zielen auf eine Neuordnung der Leitungs- und Verantwortungsstrukturen in der Landeskirche ab, was zu einer Zentralisierung der Verwaltung führen würde.
In einem Beteiligungsverfahren sollen Kirchengemeinden, Bezirkssynoden und Interessenvertretungen von Mitarbeitenden im kommenden Jahr Stellung zu den Gesetzentwürfen nehmen können. Zur endgültigen Abstimmung steht die neue Kirchenverfassung für die rund 430.000 Mitglieder zählende Landeskirche dann im Frühjahr 2027.
Die 374 Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz sollen demnach ihren Status als Körperschaften öffentlichen Rechts und damit einen wesentlichen Teil ihrer Eigenständigkeit verlieren: Ihre Gebäude und Vermögen sollen an die Kirchenbezirke übergehen, von denen sie für ihre Arbeit ein Budget erhalten. Als Körperschaften kirchlichen Rechts sollen sie allerdings weiter in Kooperation mit neuen multiprofessionellen „Regio-Teams“ das Gemeindeleben gestalten können. Befürworter erhoffen sich dadurch eine Entlastung des Pfarrpersonals und der Presbyterien, der Leitungen der Kirchengemeinden, von Verwaltungsaufgaben.
Mehrere Synodale sprachen sich hingegen für den Erhalt des bisherigen Körperschaftsstatus der Kirchengemeinden aus. Eine Änderung würde engagierte Ehrenamtliche vor Ort frustrieren und einen Niedergang der Kirche beschleunigen. Zudem demonstrierten Mitglieder der Initiative „Pro Presbyterium“ auf der Synode gegen eine „Entmachtung“ und „Entdemokratisierung“ der Kirchengemeinden.
#Landeskirche will 60 Millionen Euro bis 2035 einsparen
Die Pfälzer Kirche will mit ihrem im Herbst 2023 gestarteten Transformationsprozess (bisher: Priorisierungsprozess) ihre Strukturen umbauen und dadurch trotz sinkender Mitgliederzahlen und schwindender Finanzkraft zukunftsfähig bleiben. Bis 2035 soll die Neuaufstellung abgeschlossen sein, 45 Prozent des landeskirchlichen Haushalts – rund 60 Millionen Euro – sollen eingespart werden.