Drei Jahre lang hat ein Team um den Historiker Marc von Knorring an der Missbrauchsstudie für das Bistum Passau gearbeitet. Zwei Gremien und Bischof Oster wurde sie nun übergeben.
Die Missbrauchsstudie für das Bistum Passau ist fertig. Sie wurde am Samstag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission sowie dem Betroffenenbeirat der Diözese übergeben, wie das Bistum auf seiner Internetseite mitteilt. Zudem sei sie Bischof Stefan Oster übermittelt worden. Erarbeitet hat die Studie im Auftrag der Kommission ein Team der Universität Passau unter der Leitung des Historikers Marc von Knorring. Die Ergebnisse würden ab 8. Dezember auf der Internetseite der Uni veröffentlicht, heißt es.
Die Untersuchung trägt den Titel “Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022”. Drei Jahre lang waren rund 2.400 Priester-Personalakten gesichtet sowie 25 Betroffene und knapp 35 weitere Zeitzeugen interviewt worden. Diese Rahmendaten hatte von Knorring bereits vorab dem “Passauer Bistumsblatt” bekanntgegeben.
Im Rahmen der Übergabe sagte er nun: “Auch im Bistum Passau gibt es zahlreiche Menschen, die etwas vereint, das nach dem Selbstverständnis und den Grundwerten der katholischen Kirche niemals hätte geschehen dürfen: Sie wurden als Kinder oder Jugendliche von Priestern sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt. Viele von ihnen leiden ihr Leben lang unter diesen Erfahrungen und deren Folgen.”
Grundanliegen der Studie ist es nach den Worten des Historikers, diese Menschen in ihrem Kampf um Anerkennung und angemessene Würdigung zu unterstützen. Womöglich könnten auch notwendige Reformen innerhalb der katholischen Kirche angestoßen und Impulse für eine bessere Prävention gegeben werden, nicht zuletzt mit Blick auf eine erhöhte gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung. “Wir hoffen sehr, dass sie diesen Zweck erfüllen kann – als weiterer Baustein im Gesamtgebäude der stetig anwachsenden Zahl von Aufarbeitungsstudien zu kirchlichen und weltlichen Einrichtungen.”
Oster erklärte seinerseits, sein erster Gedanke gelte in diesem Moment den Betroffenen. “Wir wissen von vielen von ihnen, wie zerstörerisch sich Missbrauchserfahrungen auf ein ganzes Leben auswirken können”, so der Bischof.
Zugleich dankte Oster dem unabhängigen wissenschaftlichen Team der Uni dafür, sich der belastenden Aufgabe der Aufarbeitung gestellt zu haben. Die Studie sei ein wichtiger, notwendiger und zugleich schmerzhafter Schritt auf dem Weg der Wahrheitsfindung. “Ich möchte mir gemeinsam mit dem im Bistum zuständigen Fachgremium in den kommenden Tagen bewusst Zeit nehmen, die Studie gründlich zu lesen und zu reflektieren.”
Damit ist Passau die vierte bayerische Diözese nach München und Freising, Würzburg und Augsburg, die Zahlen offenlegen wird. Nach Einschätzung des Studienleiters wird die Studie Aufsehen erregen. “Ich denke, dass wir Ergebnisse haben, die in den interessierten Teilen der Bevölkerung so nicht unbedingt erwartet werden”, sagte er dem “Passauer Bistumsblatt”. Konkrete Empfehlungen fürs Bistum werde es nicht geben. “Wir werden uns da eher zurückhalten. Als Historiker bin ich dafür da, die Vergangenheit aufzuarbeiten, aufzuzeigen, was wie aus welchen Gründen gelaufen ist und warum nicht anders.”