Am Freitag besucht Leo XIV. mit anderen Kirchenführern den Ort, an dem das grundlegende christliche Glaubensbekenntnis formuliert wurde. Aus dem Anlass veröffentlicht er ein Lehrschreiben.
Papst Leo XIV. hat in einem Lehrschreiben an die Einheit der Kirchen erinnert und zu Dialog ermutigt. Das am Sonntag veröffentlichte Dokument trägt den Titel “In unitate fidei” (In der Einheit des Glaubens). Anlass ist das Gedenken an das ökumenische Konzil von Nizäa, das vor 1.700 Jahren die bis heute für alle Kirchen gültigen Grundlagen des christlichen Glaubens festlegte. Am Freitag besucht Leo XIV. gemeinsam mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. die antike Stätte bei der heutigen türkischen Stadt Iznik.
In dem zehnseitigen Apostolischen Schreiben heißt es: “In der Einheit des Glaubens, der seit den Anfängen der Kirche verkündet wird, sind die Christen dazu aufgerufen, einmütig unterwegs zu sein und das empfangene Geschenk mit Liebe und Freude zu bewahren und weiterzugeben.” Dies komme in den Worten des Glaubensbekenntnisses an Jesus Christus als Sohn Gottes zum Ausdruck, wie es “das Konzil von Nizäa, das erste ökumenische Ereignis in der Geschichte des Christentums, vor 1.700 Jahren formuliert hat.”
Der Papst bezieht sich auf das jüngste Dokument der Internationalen Theologischen Kommission des Vatikan, das von Nizäa handelt und am 16. Dezember 2024 von der Behörde für Glaubenslehre veröffentlicht worden war. Leo XIV. bekräftigt, das Glaubensbekenntnis von Nizäa vereine alle Christen. Es spreche von einem Gott, “der uns nahekommt und uns auf unserem Weg begleitet”.
Die Einheit der Christen zu suchen, bedeute “keine Rückkehr-Ökumene zum Zustand vor den Spaltungen, auch keine gegenseitige Anerkennung des aktuellen Status quo der Vielheit von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, sondern vielmehr eine Zukunftsökumene der Versöhnung auf dem Weg des Dialogs, des Austauschs unserer Gaben und geistlichen Schätze”, schreibt der Papst.
“Die Wiederherstellung der Einheit unter den Christen macht uns nicht ärmer, vielmehr bereichert sie uns”, so Leo XIV. weiter. Dieses Ansinnen könne “ähnlich wie in Nizäa nur durch einen geduldigen, langen und unter Umständen schwierigen Weg des Hörens und der gegenseitigen Offenheit möglich werden”.
In dem Schreiben schlägt Leo XIV. auch selbstkritische Töne in Richtung der Christen an und schreibt, dass sie “zumindest mitverantwortlich sind” daran, dass der Glaube an Christus heute für viele Menschen unwichtig scheine. Er führt aus: “Im Namen Gottes sind Kriege geführt worden, hat man getötet, verfolgt und diskriminiert. Man hat auch statt den barmherzigen Gott zu verkündigen, von einem rächenden Gott gesprochen, der Angst einflößt und bestraft.Das Glaubensbekenntnis von Nizäa lädt uns also zu einer Gewissenserforschung ein.” Und weiter: “Angesichts der Katastrophen, der Kriege und des Elends können wir den Menschen, die an Gott zweifeln, nur dann seine Barmherzigkeit bezeugen, wenn sie seine Barmherzigkeit durch uns erfahren”.