Viele Begegnungen mit Vertretern anderer Kirchen und Religionen gab es beim Besuch von Papst Leo XIV. in Istanbul. Aber er feierte auch eine Messe für die kleine, aktive katholische Minderheit. Tausende nahmen teil.
Papst Leo XIV. hat die Katholiken in der Türkei zu einem tiefen Glauben und zum Dialog mit anderen Kirchen und Religionen aufgerufen. Bei einem Gottesdienst in Istanbul sagte er am Samstagabend vor rund 5.000 Menschen: "Die Freude am Guten ist ansteckend". Daher seien alle Gläubigen eingeladen, "die Kraft ihres Zeugnisses im Glauben zu erneuern".
Weiter sagte der Papst: "Wenn wir den Menschen, denen wir begegnen, wirklich helfen wollen, dann sollten wir auf uns selbst achtgeben, wie es uns das Evangelium empfiehlt: Lasst uns unseren Glauben durch das Gebet und die Sakramente pflegen, ihn konsequent in Liebe leben".
Eindringlich mahnte der Papst die Katholiken, den Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und "mit den Brüdern und Schwestern anderer Religionen" zu stärken. Dies gehöre zu ihrer Berufung als Christen.
Die Einheit sei ein "Geschenk Gottes und als solches stark und unbesiegbar". Gleichzeitig seien aber die Menschen verantwortlich dafür, die Brücken des Dialogs ähnlich wie Brücken über das Wasser zu pflegen und instandzuhalten, "damit die Wechselfälle der Zeit ihre Strukturen nicht schwächen und ihre Fundamente stabil bleiben".
Herzlich dankte der Papst dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios für dessen Anwesenheit als Gast bei dem katholischen Gottesdienst. Für den Folgetag ist die Anwesenheit des Papstes bei einem großen orthodoxen Gottesdienst unter dem Vorsitz des Patriarchen geplant.
Zur Einheit der Christen sagte Leo XIV.: "Der gleiche Glaube an den Erlöser verbindet uns nämlich nicht nur untereinander, sondern mit allen unseren Brüdern und Schwestern, die anderen christlichen Kirchen angehören. Das haben wir gestern beim Gebet in Iznik erlebt. Auch das ist ein Weg, den wir schon lange gemeinsam gehen".
Zum Dialog der Religionen sagte der Papst in seiner Predigt: "Wir leben in einer Welt, in der Religion viel zu oft benutzt wird, um Kriege und Gräueltaten zu rechtfertigen". Die Christen sollten hingegen "das zur Geltung bringen, was uns verbindet, die Mauern der Vorurteile und des Misstrauens einreißen, gegenseitiges Kennenlernen und Wertschätzung fördern, um allen eine starke Botschaft der Hoffnung zu geben und sie einzuladen, 'Friedensstifter' zu sein."
Am Sonntag stehen weitere ökumenische Begegnungen auf dem Programm des Papstes. Die Weiterreise nach Beirut ist für den frühen Sonntagnachmittag (Ortszeit) vorgesehen.