15 Jahre lang lieferten sich die konfessionell-politischen Parteien im Libanon einen blutigen Bürgerkrieg. Die Folgen sind bis heute sichtbar. In dieser Lage hat es großes Gewicht, wenn der Papst Religionsführer trifft.
35 Jahre nach dem Ende des langen libanesischen Bürgerkriegs hat der Papst in Beirut die Religionsgemeinschaften zu Frieden und Zusammenarbeit aufgerufen. Bei einem interreligiösen Treffen auf dem Märtyrerplatz sagte er in Anwesenheit der Vertreter von 18 Religionsgemeinschaften: “In einer Zeit, in der das Zusammenleben wie ein ferner Traum erscheinen mag, erinnern die Menschen im Libanon, die verschiedenen Religionen angehören, eindringlich daran, dass Angst, Misstrauen und Vorurteile nicht das letzte Wort haben und dass Einheit, Versöhnung und Frieden möglich sind.”
Die Menschen im Libanon seien berufen, “Zeugnis abzulegen für die bleibende Wahrheit, dass Christen, Muslime, Drusen und unzählige andere zusammenleben und ein durch Respekt und Dialog geeintes Land aufbauen können.” Die Libanesen daheim und im Exil rief der Papst auf, “in einer immer stärker vernetzten Welt Friedensstifter zu sein, Intoleranz zu bekämpfen, Gewalt zu überwinden und Ausgrenzung zu verbannen”.
Mit Nachdruck wandte sich der Papst gegen Resignation angesichts der Kriege im Nahen Osten. “Angesichts solch komplexer und langjähriger Konflikte blickt die Menschheit manchmal mit einem Gefühl von Beklommenheit und Verzagtheit auf den Nahen Osten”, sagte Leo XIV. “Doch inmitten dieser Schwierigkeiten lässt sich ein Gefühl der Hoffnung und Ermutigung finden, wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet: unser gemeinsames Menschsein und unseren Glauben an einen Gott der Liebe und des Erbarmens.”
Bei dem interreligiösen Gebetstreffen in Beirut wurden unter anderem Texte aus der Bibel und aus dem Koran vorgetragen. Neben dem maronitischen und dem syrisch-katholischen Patriarchen sowie Vertretern anderer christlicher Kirchen nahmen auch Vertreter von Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen teil, nicht jedoch ein Vertreter des Judentums. Der syrisch-katholische Patriarch erwähnte in seiner Begrüßungsansprache das Judentum als eine der drei abrahamitischen Religionen.