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Papst in der Türkei – Einheit, Überraschung und Software-Problem

An Tag drei seines Aufenthalts in der Türkei hat Papst Leo XIV. einmal mehr die Einheit der Christen und den interreligiösen Dialog beschworen. Aber er sorgte auch zumindest kurzzeitig für Irritation.

Papst Leo XIV. hat am dritten Tag seiner Nahostreise die Einheit der Christen und den Dialog zwischen den Religionen in den Vordergrund gestellt. Bei einem Gottesdienst mit rund 5.000 Teilnehmern am Samstagabend in Istanbul mahnte der Papst, den Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und “mit den Brüdern und Schwestern anderer Religionen” zu stärken. Offiziell drückte er diesen Einheitswunsch schon zuvor bei der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios aus. Für eine kleine Überraschung hatte der Papst zudem morgens beim Besuch der Blauen Moschee gesorgt.

“Wir leben in einer Welt, in der Religion viel zu oft benutzt wird, um Kriege und Gräueltaten zu rechtfertigen”, so der Papst am Abend bei der Heiligen Messe in der Volkswagen Arena, zu der vor allem Mitglieder der kleinen katholischen Minderheit in der Türkei geladen waren. Christen sollten hingegen das zur Geltung bringen, was sie verbinde, “die Mauern der Vorurteile und des Misstrauens einreißen, gegenseitiges Kennenlernen und Wertschätzung fördern, um allen eine starke Botschaft der Hoffnung zu geben und sie einzuladen, ‘Friedensstifter’ zu sein.” Herzlich dankte der Papst dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios für dessen Anwesenheit als Gast bei dem katholischen Gottesdienst.

Gemeinsam mit dem Patriarchen hatte der Papst zuvor einen Appell zur Einheit der Christen und zur Überwindung der Kirchenspaltung veröffentlicht. “Dem Willen unseres Herrn Jesus Christus gehorchend, setzen wir unseren Weg des Dialogs in Liebe und Wahrheit mit fester Entschlossenheit fort, um die erhoffte Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen unseren Schwesterkirchen zu erreichen”, heißt es wörtlich in der Erklärung, die die beiden Kirchenoberhäupter am Sitz des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel im Istanbuler Stadtteil Phanar unterzeichneten.

Ebenfalls kündigen Papst und Patriarch darin an, einen gemeinsamen Ostertermin suchen zu wollen. Wegen unterschiedlicher Kalender feiern orthodoxe und katholische Christen Ostern oft an unterschiedlichen Sonntagen. In diesem Jahr fiel der Termin hingegen auf ein gemeinsames Datum. Man sei bestrebt, eine Einigung zu finden, “um jedes Jahr gemeinsam das Fest der Feste feiern zu können”, heißt es dazu. Ebenso forderten Leo und Bartholomaios ein Ende der weltweiten Kriege.

Am Morgen hatte der Papst in Begleitung zweier sunnitischer Geistlicher die Blaue Moschee in Istanbul besucht. Zuletzt hatten die Päpste Benedikt XVI. im Jahr 2006 und Franziskus im Jahr 2014 die Moschee besucht. Anders als seine beiden Vorgänger nutzte Leo XIV. den Besuch nicht zu einem stillen Gebet – und sorgte damit offenbar auch in seinem eigenen Presseapparat für Verwirrung. Vatikan-Sprecher Matteo Bruni teilte aber anschließend mit, der Papst habe den Besuch “schweigend, in einem Geist der Sammlung und mit tiefem Respekt für den Ort und den Glauben derer besucht, die sich dort zum Gebet versammeln”.

Nach der Blauen Moschee besuchte Leo XIV. die vor wenigen Jahren neu errichtete Mor-Ephrem-Kirche der syrisch-orthodoxen Christen in Istanbul. Sie ist die erste christliche Kirche, die seit Gründung der Türkischen Republik (1923) mit behördlicher Genehmigung gebaut wurde. Dort traf der Papst mit Vertretern mehrerer christlicher Kirchen und Konfessionen zusammen.

Auch am Sonntag stehen weitere ökumenische Begegnungen auf dem Programm des Papstes. Die Weiterreise in die libanesische Hauptstadt Beirut ist für den frühen Sonntagnachmittag (Ortszeit) vorgesehen. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass das Flugzeug des Papstes, ein Airbus vom Typ 320 neo der Fluggesellschaft ITA, von Software-Problemen bei Airbus betroffen gewesen war, die am Wochenende Tausende Flüge weltweit verzögerten. Ein eigens eingeflogener Techniker habe die Probleme allerdings lösen können.