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Palästinensischer Regisseur im Westjordanland festgenommen

Im Süden des Westjordanlands ist ein bekannter palästinensischer Filmemacher von israelischen Soldaten in Gewahrsam genommen worden. Zum Hergang gibt es unterschiedliche Angaben.

Israels Armee hat offenbar den palästinensischen Co-Regisseur des Oscar-prämierten Dokumentarfilms “No Other Land”, Hamdan Ballal, im Westjordanland festgenommen. Zuvor sei er von Dutzenden Siedlern angegriffen und verletzt worden, behauptete sein israelischer Regie-Kollege Yuval Abraham am Montagabend in einem Statement zu dem Vorfall.

Ballal habe Kopf-und Bauchverletzungen erlitten und sei – aus einem Krankenwagen heraus – von Soldaten mitgenommen worden. Den Angaben zufolge wird er auf der Polizeistation einer israelischen Siedlung festgehalten. Ihm werde der Kontakt zu einem Anwalt verwehrt.

Das Militär bestritt, Ballal aus einem Krankenwagen mitgenommen zu haben. Nach Darstellung der Armee hatten mehrere “Terroristen” israelische Bürger mit Steinen beworfen und Fahrzeuge beschädigt. Bei der folgenden gewaltsamen Auseinandersetzung hätten Beteiligte beider Seiten Steine geworfen. Die Einsatzkräfte nahmen drei Palästinenser und einen Israeli fest. Ballal wird laut Armeekreisen verdächtigt, Steine auf Soldaten geworfen zu haben.

Israelische Medien berichten indes über einen anderen Hergang des Zwischenfalls im palästinensischen Dorf Susya im Süden der Westbank. Augenzeugen berichteten demnach, Dutzende radikale Siedler hätten das Dorf angegriffen und Steine auf Bewohner, Autos und Häuser geworfen.

Die NGO “Breaking the Silence” kritisierte das Vorgehen der Armee. Ballal, langjähriger Partner der Gruppe, trete für einen gewaltlosen Widerstand gegen die israelische Besatzung ein. Sein Film “No Other Land” zeigt Israels Besatzungspolitik im Westjordanland aus der Perspektive von Bewohnern des Gebietes Masafer Yatta.