Schon lange warnen Sozialverbände und Verbraucherschützer vor Online-Ratenkäufen. Nun zeigt die Statistik verstärkte Schulden beim Online-Handel. Vor allem junge Menschen und Frauen unterschätzen offenbar die Gefahr.
Knapp ein Drittel (29 Prozent) derjenigen, die im vergangenen Jahr eine Schuldnerberatungsstelle aufgesucht haben, hatte auch Schulden bei Online- und Versandhändlern. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Insgesamt hätten 577.440 Personen eine solche Beratung in Anspruch genommen. Der Anteil derjenigen, die von Online-Schulden betroffen sind, steigt demnach: 2019 hatte er bei 27 Prozent gelegen.
Besonders jüngere Überschuldete sind von offenen Verbindlichkeiten bei Online- und Versandhändlern betroffen, wie es weiter heißt. Im Jahr 2024 seien 40 Prozent der beratenen 20- bis 24-Jährigen bei Firmen dieser Branche verschuldet gewesen – und mit zunehmendem Alter nehme dieser Anteil kontinuierlich ab: Während bei den 25- bis 34-Jährigen noch 37 Prozent entsprechende Zahlungsrückstände aufgewiesen hätten, habe der Anteil bei den 55- bis 64-Jährigen noch bei 23 Prozent gelegen.
Zudem hätten beratene Frauen häufiger und höhere Schulden bei Online- und Versandhändlern. 36 Prozent der weiblichen Personen, die die Hilfe einer Schuldnerberatungsstelle in Anspruch nahmen, hatten dort Zahlungsrückstände – im Vergleich zu 24 Prozent der männlichen Ratsuchenden. Auch die durchschnittliche Schuldenlast bei Online- und Versandhändlern lag bei Frauen (834 Euro) deutlich höher als bei Männern (463 Euro), so die Statistiker.
Erst am Freitag hatte der “Schuldneratlas” der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gezeigt, dass die Zahl überschuldeter Menschen in Deutschland wieder zunehme. Demnach gelten derzeit 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet – rund 111.000 mehr als im Vorjahr. Als Ursache wurden die Krisen der vergangenen Jahre sowie steigende Lebenshaltungskosten genannt. Sozialverbände pochten auf eine bessere finanzielle Ausstattung sozialer Schuldnerberatungsstellen. Für 2026 erwarten Fachleute eine Fortsetzung des negativen Trends.